Wer in China zukünftig eine Internetzugang will, muss im Gegenzug sein Gesicht scannen lassen.

Ein im September angekündigtes Gesetz der chinesischen Regierung ist zum 1. Dezember in Kraft getreten: Wer einen neuen Mobilfunk- oder Internetvertrag abschließt, muss zuvor einen Gesichtsscan ablegen.

Die Maßnahme ist ein Baustein der chinesischen Regierung im Plan, die Anonymität im Internet zu beseitigen. Der Großteil der chinesischen Bürger greift über das Smartphone auf das Internet zu.

Laut der Regierung wird die neue Regel zum “Schutz der legitimen Rechte und Interessen der Bürger im Cyberspace” eingeführt.

China baut KI-Überwachung aus

Mit den zusätzlichen und aktuellen Gesichtsdaten kann die Regierung ihr Überwachungsnetz weiter ausbauen. In China sind KI-gestützte Überwachungskameras mit integrierter Gesichtserkennung im ganzen Land verbreitet. Laut der BBC waren es in 2017 circa 170 Millionen Kameras. Bis 2020 sollen 400 Millionen weitere Kameras installiert werden.

Bekannt ist, dass in China unter anderem das Fußgängerverhalten über Gesichtserkennungskameras kontrolliert und direkt bewertet wird – mit teils kuriosen Pannen. Auch bei der Überwachung der ethnischen Minderheit der Uiguren kommt KI-Tracking zum Einsatz. Sogar die feinen Muster in Hundeschnauzen können analysiert und getrackt werden, um Hunde anhand von Fotos ihren Besitzern zuzuweisen.

KI-Überwachung: Geht der Westen mit?

Laut einer Studie der Carnegie Stiftung für internationalen Frieden ist KI-gestützte Überwachungstechnologie weltweit auf dem Vormarsch. Besonders chinesische Hard- und Softwarefirmen wie Huawei, Hikvision, Dahua und ZTE treiben die Entwicklung voran.

In den USA regt sich Widerstand gegen KI-Überwachung: Eine Gruppe Aktivisten scannte in Washington D.C. demonstrativ Gesichter vor dem Weißen Haus, um auf die Risiken der Technologie aufmerksam zu machen. Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders warnte im Kontext der KI-Überwachung vor einem 1984-Szenario.

Die Städte San Francisco, Somerville, Massachusetts, und Oakland haben Verbote gegen Gesichtserkennungstechnologie für Behörden ausgesprochen. Ein US-weites Verbot ist seit Frühjahr in der Diskussion.

Kürzlich stellte das US-Startup Traces AI eine Form des KI-Trackings vor, das die Vorteile der lückenlosen KI-Überwachung bieten soll, ohne dauerhaft in die Privatsphäre einzugreifen: Anstatt Menschen anhand ihres Gesichts oder Gangs zu verfolgen, trackt die KI äußere Merkmale wie Frisur oder Kleidung.

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