Microsoft will Gesichtserkennungstechnologie zukünftig nur noch im eigenen Haus entwickeln und vertreiben. Die Kontrolle externer Unternehmen stellte sich als zu schwierig heraus.

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Im Oktober 2019 deckte die NBC vermeintlich ein Überwachungsprojekt im Westjordanland auf: Das Startup Anyvision soll mit KI-gestützter Gesichtserkennung systematisch Palästinenser beobachtet haben. “Better Tomorrow” soll die Trackingsoftware heißen, mit der Menschen in Videobildern gesucht werden können wie Informationen bei Google.

Ein Investor von Anyvision: Microsoft, das sich zuvor im Dezember 2018 gegen eine Überwachungs-Dystopie positionierte und Leitlinien für Gesichtserkennung veröffentlichte. In denen heißt es unter anderem, dass Gesichtserkennungstechnologie nicht die demokratische Freiheit gefährden dürfe und dass die Zustimmung Betroffener eingeholt werden müsse.

“Wir müssen sicherstellen, dass das Jahr 2024 nicht wie eine Seite aus dem Roman 1984 aussieht”, sagte Microsoft-Präsident Brad Smith bei der Vorstellung der Leitlinien.

Im Januar 2020 forderte Smith fein abgestimmte Regulierungen für Gesichtserkennung, da die Technologie auch positive Seiten habe, beispielsweise bei der Suche nach vermissten Personen.

Microsoft: Gesichtserkennung nur noch aus dem eigenen Haus

Ein knappes halbes Jahr nach der Enthüllung durch die NBC äußert sich Microsoft jetzt zu den Ergebnissen einer unabhängigen Untersuchung durch die Anwaltskanzlei Covington & Burling. Laut dieser sei Anyvision nicht in ein Massenüberwachungsprogramm im Westjordanland involviert gewesen und sei auch aktuell nicht involviert.

Microsoft will sich der Gefahren von Gesichtserkennungstechnologie bewusst sein. In Zukunft will der Konzern allerdings keine Verantwortung mehr für externen Firmen übernehmen, die mit Microsofts finanzieller Hilfe Gesichtserkennung entwickeln. Bild: Microsoft

Microsoft will sich der Gefahren von Gesichtserkennungstechnologie bewusst sein. In Zukunft will der Konzern allerdings keine Verantwortung mehr für externen Firmen übernehmen, die mit Microsofts finanzieller Hilfe Gesichtserkennung entwickeln und verkaufen. Bild: Microsoft

Der Untersuchungsprozess habe allerdings gezeigt, wie schwierig es als Minderheitsinvestor sei, eine Firma zu kontrollieren, die sich mit sensiblen Technologien befasse, heißt es in einem Statement von Microsofts Risikokapitalarm M12. Die damit verbundenen Regulierungen ließen nicht denselben Grad an Aufsicht zu, wie Microsoft ihn bei internen Projekten ausübe.

Aus diesem Grund wolle Microsoft zukünftig nicht mehr in externe Unternehmen investieren, die Gesichtserkennungstechnologie verkaufen.

KI-Überwachung ist mehr als Gesichtserkennung

Ob diese Regelung auch für andere Technologien der KI-Überwachung gilt, geht aus der Meldung nicht hervor. Immerhin kann Künstliche Intelligenz Menschen nicht ausschließlich am Gesicht identifizieren. Denkbar ist zum Beispiel die Identifikation am Gangmuster – auch wenn Gesichtserkennung zweifellos der mächtigste Hebel ist.

KI-gestützte Überwachungskameras sollen außerdem Ladendiebe an Gesten erkennen, Waffen entdecken und Alarmsysteme auslösen, Grenzkontrollen durchführen, Baustellen sichern oder das Verhalten von Ladenbesuchern auswerten.

Was KI-gestützte Überwachung so gefährlich macht und weshalb sie auch ein Segen sein könnte, besprechen wir im MIXED Podcast Folge #180.

Via: Reuters

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