MetaHuman Creator: Was Epics Editor für VR bedeuten könnte

MetaHuman Creator: Was Epics Editor für VR bedeuten könnte

Mit Epics Metahuman Creator könnte der Siegeszug realistischer Computermenschen beginnen. Das käme auch der Virtual Reality zugute.

Realistisch wirkende Menschen im Computer zu erschaffen: Das ist enorm teuer und zeitaufwendig. Weshalb es sich bislang auch nur große Studios leisten konnten, lebensechte digitale Charaktere für Filme und Videospiele zu kreieren. Mit dem Metahuman Creator will Epic das ändern: Mit diesem Tool können Nutzer künstliche Menschen binnen weniger Minuten erschaffen, anstatt Wochen oder Monate zu investieren.

Äußerlich wirkt der Metahuman Creator wie ein Charaktereditor in einem Videospiel: Man wählt aus einer Reihe voreingestellter Gesichter und passt dessen Merkmale mittels zahlreicher Parameter an. Breites Kinn, große Nase, dünne Lippen? Alles machbar.

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Darüber hinaus stehen verschiedene Frisuren mit realistisch animiertem Haar, eine Vielzahl Körpertypen und diverse Kleidungsstücke zur Auswahl. Dank Cloud-Rendering und Epics Pixel Streaming-Technologie werden Charaktere selbst auf langsamen Rechnern in einem beeindruckenden Detailgrad dargestellt: Man sieht selbst Poren und einzelne Härchen.

Entspricht das digitale Gegenüber den eigenen Vorstellungen, kann man dessen Eigenschaften herunterladen und in der Unreal Engine oder anderen Programmen weiterverarbeiten.

Fortnite-Entwickler investierte früh

Der Metahuman Creator geht auf viele Jahre Vorarbeit seitens Epic zurück. Mit den auf Erstellung digitaler Menschen spezialisierten Studios 3Lateral und Cubic Motion schuf Epic 2017 die lebensechte Hellblade-Videospielfigur Senua und ein Jahr darauf Siren, eine beeindruckend realistische Computerfrau.

Letztere wurde von einer echten Schauspielerin verkörpert, deren Bewegungen und Mimik in Echtzeit eingefangen und auf einen fotorealistischen digitalen Avatar übertragen wurde, wie folgendes Video zeigt. Die Schauspielerin verwandelte sich dabei in einen anderen Menschen.

Dass es Epic sehr ernst war um computergenerierte Menschen, zeigte sich in den Folgejahren: Anfang 2019 kaufte Epic 3Lateral und ein Jahr später Cubic Motion, mit dem Ziel, die Technologie in die Unreal Engine zu implementieren. Der Metahuman Creator ist das Ergebnis dieser Bemühungen.

Der neueste Tech-Hype: Virtuelle Wesen

Fotorealistische digitale Menschen, die sind auch außerhalb von Videospielen gefragt.

Motiviert durch Fortschritte in der Echtzeitgrafikberechnung und Künstlicher Intelligenz spekuliert das Silicon Valley auf einen Durchbruch „virtueller Wesen“ in den nächsten Jahren. Dazu werden fiktive Internetcharaktere mit eigener Persönlichkeit, personifizierte KI-Assistenten, virtuelle Influencer wie Shudu und Lil’Miquela, automatisierte Dienstleister sowie Computerrepräsentation realer Menschen gezählt.

Rund 320 Millionen US-Dollar sind in den letzten Jahren in die Technologie und Start-ups wie Soul Machines und AI Foundation geflossen, die an virtuellen Wesen arbeiten. Samsung entwickelt mit den Neon ebenso künstliche Menschen wie der Magic Leap-Gründer Rony Abovitz mit seinem neuen Start-up Sun and Thunder.

Über das Potenzial dieser Technologie sprachen wir asuführlich in der MIXED.de-Podcast Folge #230.

Virtual Reality: Mehr Realismus in Spielen und Social-VR

Virtual Reality könnte gleich in mehrfacher Hinsicht von Epics Technologie profitieren. Wer schon mal in VR-Welten wie Half-Life: Alyx (Test) eingetaucht ist, weiß: In VR sieht man digitale Umgebungen und menschliche Figuren aus nächster Nähe vor sich, was noch höhere Anforderungen an grafischen Realismus mit sich bringt als klassische Videospiele. Dank Tools wie dem Metahuman Creator könnten in Zukunft auch ohne Riesenbudget lebensechte Charaktere in VR-Spielen Einzug halten.

Und Avatare. Virtual Reality, so wiederholt Facebook-CEO Mark Zuckerberg bei jeder Gelegenheit, sei ein soziales Medium. Damit in der VR so etwas wie soziale Präsenz entsteht, müssen Avatare neben dem Aussehen auch die Mimik wiedergeben können.

Epics Technologie kann beides: Das Unternehmen entwickelte eine App namens Live Link Face, die Gesichtsausdrücke mit Hilfe der Truedepth-Kamera des iPhones in Echtzeit analysieren und auf einen Avatar übertragen kann. Der Metahuman Creator unterstützt die App von Haus aus. Derzeit dient Live Link der Erstellung professioneller Gesichtsanimationen, in Zukunft könnte die zugrundeliegende Technologie helfen, VR-Avataren Leben einzuhauchen.

Wer den Metahuman Creator ausprobieren möchte, kann dies ab sofort im Epic Games Launcher oder unter folgendem Link am Beispiel zweier digitaler Menschen tun. Zusätzlich kann man sich für ein Early-Access-Programm anmelden, das in den nächsten Monaten starten soll.

Quelle und Titelbild: Epic

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