Ein neuer Bericht beleuchtet Chinas zivile und militärische KI-Strategie und die Gründe hinter den hohen KI-Investitionen.

Autor des Berichts ist Gregory C. Allen, er arbeitet für die amerikanische Denkfabrik „Center for a New American Security” (CNAS). CNAS entwickelt nationale Sicherheitskonzepte, die politische Entscheidungsträger informieren sollen.

Allen besuchte 2018 diplomatische, militärische und kommerzielle KI-Konferenzen in China. Dort nahm er an Treffen mit Führungskräften der jeweiligen Sektoren Teil.

China strebt internationale Führungsrolle an

2017 veröffentlichte China die eigene Künstliche-Intelligenz-Strategie “New Generation Artificial Intelligence Development” (AIDP). Die Förderung von KI trage zur Wettbewerbsfähigkeit und nationalen Sicherheit bei, heißt es in dem Papier.

Für China sei daher eine führende Position in KI-Technologie die Grundvoraussetzung für eine wirtschaftliche und militärische Führungsrolle, schreibt Allen in seinem Bericht.

Er schätzt, dass China Dutzende Milliarden US-Dollar in KI investiert. Mindestens zwei regionale Regierungen hätten sich verpflichtet, etwa 15 Milliarden US-Dollar für KI-Entwicklung auszugeben.

Chinas geopolitische Strategie setzt auf die militärische Nutzung Künstlicher Intelligenz

China investiert in autonome Waffensysteme

China sehe KI im weltweiten Wettbewerb als Chance, wirtschaftlich und militärisch aufzuholen, so Allen. Militärische KI werde als unausweichlich angesehen.

Das Militär investiere daher stark in autonome Waffensysteme wie Drohnen, Roboter oder U-Boote. Bewaffnete Drohnen würden unter anderem an Saudi-Arabien und den Iran verkauft.

Während die meisten Modelle noch von einem Menschen gesteuert würden, exportiere die Firma Ziyan bereits Drohnen mit erweiterten autonomen Kampffähigkeiten.

China glaubt an die eigene Führungsrolle

China glaube, die USA beim militärischen Einsatz Künstlicher Intelligenz überholen zu können. Für diese Überzeugung existieren laut Allen zwei Gründe:

Erstens seien Staat und Industrie sowie öffentlicher und militärische Sektor in China stärker miteinander verknüpft. Dadurch stünden die Interessen chinesischer Konzerne nicht im Widerspruch zu den politischen und militärischen Zielen des Landes. Ein chinesisches Projekt im Stil von Googles Maven wäre wohl anders verlaufen.

Zweitens konzentriere sich die USA auf die Modernisierung bereits etablierter Waffensysteme. So bliebe weniger Geld für neue KI-Waffen. Chinas Waffensysteme seien jedoch in großen Teilen obsolet. Daher stünde der Neuentwicklung von KI-Waffen nichts im Weg.

Als Beispiel nennt Allen autonome U-Boote: Diese seien eine günstige und effektive Möglichkeit, US-Flugzeugträger und ihre Gefechtsverbände zu bedrohen.

Chinas Abhängigkeiten stehen im Widerspruch zu den Ambitionen

Forschung ist international

China ist bei KI-Forschung und -Entwicklung in diversen Ranglisten weit oben vertreten. Doch diese Erfolge seien nur durch Zugriff auf internationale Technologie und wissenschaftliche Kooperation möglich, sagt Allen.

Chinas Forschungseinrichtungen veröffentlichten zwar unzählige wissenschaftliche KI-Aufsätze. Doch mehr als die Hälfte dieser Forschung sei nur in internationaler Zusammenarbeit möglich gewesen. Große Teile der chinesischen KI-Forscher hätten außerhalb Chinas studiert.

Technik aus den USA als Grundvoraussetzung

China sei außerdem noch immer auf amerikanische Halbleitertechnologie angewiesen, die ein unverzichtbarer Bestandteil jeder modernen Technologie sei. Der KI-Boom habe außerdem spezielle KI-Chips hervorgebracht – auch hier sitzen die führenden Unternehmen noch im Westen.

China sei sich dieser Abhängigkeit bewusst und reduziere sie gezielt: Neben den hohen Investitionen in die Forschung unterstütze China im globalen Wettbewerb starke KI-Champions wie Baidu, Alibaba, Tencent, iFlytek und das Überwachungsunternehmen SenseTime, Chinas wertvollstes KI-Startup.

China ist (vielleicht) offen für Regulierungen

Trotz der Investitionen: China will offiziell ein KI-Wettrüsten vermeiden. In einem Positionspapier der Vereinten Nationen aus dem April 2018 unterstützt die chinesische Regierung ein weltweites Verbot tödlicher autonomer Waffen.

Für Allen bietet jedoch gerade dieses Papier Anlass für Zweifel: Chinas Definition tödlicher autonomer Waffen sei „bizarr und eng“. Ein Verbot der im Papier beschriebenen Waffen erscheine „unnötig und nutzlos“. Es sei nicht auszuschließen, dass sich China positive Presse sichern wolle und derweil weiter an autonomen KI-Waffen forsche.

„Ein Wettrüsten zu beklagen und gleichzeitig aggressiv dazu beizutragen, ist eine alte Geschichte der internationalen Beziehungen”, so Allen.

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