Bis zur Super-KI dauert es zwar noch eine Weile, aber das schmälert die Leistung aktueller KI-Technologie nicht. Hier sind neun Fähigkeiten, die Künstliche Intelligenz heute schon auf dem Kasten hat.

Wenn ihr mehr lernen wollt über KI, empfehle ich euch meinen Artikel mit einfachen Erklärungen zu häufig genutzten KI-Fachbegriffen.

Sehen

Mit maschinellem Sehen (Computer Vision) wirft Künstliche Intelligenz einen Blick auf die Welt. Sie analysiert visuelle Daten und identifiziert so Gegenstände, Tiere oder Personen. Der Durchbruch für maschinelles Sehen kam 2012 mit einer Bildanalyse-KI, die den ImageNet-Wettbewerb haushoch gewann.

Seitdem ist die Technologie auf dem Vormarsch: Fast 170.000 Patente für maschinelles Sehen wurden bis Anfang 2019 registriert – fast die Hälfte aller KI-Patente. Immer weiter verbreitet: Staubsaugerroboter, die selbstständig Wohnungen kartografieren und reinigen. Auch das ist Computer-Vision-Technologie.

Bilderkennungs-KIs identifizieren Personen - oder auch mal eine Switch.

Bilderkennungs-KIs identifizieren Objekte in Bildern. Bild: Eigener Screnshot / Google

Sehende KI wird in selbstfahrenden Autos eingesetzt, erkennt Krebserkrankungen, sie entsperrt Smartphones, überwacht Baustellen, schaut durch Wände und erkennt Gesichter auf Überwachungskameras. Die KI-gestützte Überwachung ist weltweit auf dem Vormarsch.

Einige Städte, darunter die Technologiehochburg San Francisco, haben Gesichtserkennung mittlerweile verboten – aus Angst vor einem übermächtigen Überwachungswerkzeug, das sich verselbstständigt.

Hören

An digitale Assistenten haben wir uns längst gewöhnt: Amazons Alexa (Amazon-Link), Googles Assistant oder Apples Siri, sie alle lauschen unseren Anfragen am Smartphone und an intelligenten Lautsprechern. Spezialisierte KI-getriebene Apps wie Google Transcribe oder Ciscos Voicea transkribieren Gespräche automatisch auf hohem Niveau.

Die KI-Analyse von Audiodaten kann noch mehr: Shotspotter erkennt Schussgeräusche, lokalisiert sie und alarmiert die Polizei. Google lässt Wale mit KI belauschen und erfährt so mehr über ihre Routen und Bestände. Und NL Acoustics KI erkennt an für Menschen lautlosen Geräuschveränderungen, ob eine Maschine kaputt geht.

Sprechen

Digitale Assistenten lauschen glücklicherweise nicht nur – sie antworten auch. Alexa klärt uns über das Wetter auf, Google Maps navigiert uns zu unserem Ziel und Duplex übernimmt Anrufe beim Friseur.

KI-generierte Sprache wird glaubwürdiger und die Gesprächsführung eleganter. Googles Telefon-KI Duplex wurde stark kritisiert, da die Computerstimme klang wie ein Mensch. Das resultierte in einer Grundsatzdiskussion: Darf eine Maschine einen Menschen täuschen? Erst nach einigem Hin und Her versicherte Google, dass sich die KI in Gesprächen immer als Maschine zu erkennen geben wird – und das muss sie auch.

Wer lieber mit den Stimmen anderer Personen spricht, kann mit KI jeden alles sagen lassen. KI fälschte nach einem umfassenden Training die Stimme des bekannten Podcasters Joe Rogan oder hilft Betrügern, einen Wirtschaftsboss zu imitieren.

Lesen

Ein großer Teil des menschlichen Wissens ist in Schriftform festgehalten. Wer an diese Daten will, sollte lesen können. Noch ist das Textverständnis von KIs eingeschränkt, aber erste Anwendungen zeigen, was möglich sein könnte.

Der KI-getriebene SummarizeBot fasst Texte wie Artikel, E-Mails oder Buchpassagen zusammen. Eine andere KI durchforstet wissenschaftliche Veröffentlichungen nach neuen Materialien für die Elektrotechnik. Deepminds Pythia stellt antike Texte wieder her. Und die KI der Firma LawGeex überprüft in 30 Sekunden Rechtsdokumente, für die erfahrene Rechtsanwälte Stunden benötigen.

Schreiben

Die Commerzbank setzt KI für die Wertpapieranalyse ein, um Händlern bessere Kaufentscheidungen zu ermöglichen. Die Washington Post, New York Times, Reuters oder Associated Press lassen KI kurze Sport- und Wirtschaftsnachrichten verfassen. Und Amerikas größte US-Bank setzt zukünftig auf KI-generierte Werbeslogans.

Möglich ist das mit Künstlicher Intelligenz, die Texte generiert. Solche Text-KIs haben im letzten Jahr große Fortschritte gemacht. Insbesondere OpenAIs GPT-2 war prominent in den Nachrichten: Die Text-KI wurde erst sechs Monate nach der Ankündigung als Vollversion veröffentlicht, da OpenAI sie zunächst als gefährlich einstufte. Die vermutete Bedrohung: Missbrauch durch Spammer und Fälscher.

Während OpenAIs Wartezeit wurde die Leistung von GPT-2 allerdings schon durch andere Text-KIs übertroffen. Das zeigt, wie schnell die Entwicklung voranschreitet.

Auf der Webseite "Talk to Transformer" könnt ihr einen GPT-2 basierten Textgenerator testen.

Auf der Webseite “Talk to Transformer” könnt ihr einen GPT-2 basierten Textgenerator testen. Bild: Eigener Screenshot / Talk to Transformer

GPT-2 generiert zum Beispiel ein Text-Adventure, fragwürdige Rezepte oder vervollständigt Code. Besonders gut kann sie Fake-News erstellen: OpenAI veröffentlichte daher eine Browser-Software, die von GPT-2 erstellte Texte erkennen kann.

Fühlen

KIs analysieren die Daten zahlreicher Sensoren in Robotern und lassen sie so fühlen. Die sonst eher grobmotorischen Maschinen können auf diese Art selbst empfindliche Früchte wie Himbeeren pflücken, den Reibungswiderstand eines Jenga-Blocks spüren oder weiche Gegenstände in Lagerhallen sortieren.

Feinfühlige Roboterfinger sind besonders im Zukunftsmarkt Haushalts- und Pflegerobotik notwendig. Dort sind viele Aufgaben ohne Gefühl unmöglich zu erledigen. Bis diese Roboter Wirklichkeit werden, wird es dauern: Sie stolpern noch über die “Realitätslücke”, die sich auftut, wenn in kontrollierten Simulationen trainierte Roboter plötzlich in komplexen realen Umgebungen handeln sollen.

Riechen

Gerüche sind Moleküle, die in die Chemorezeptoren unsere Nase gelangen. KI-Forscher fangen diese Moleküle mit künstlichen Rezeptoren auf und verarbeiten sie mit KI. So hat Google eine KI-Nase entwickelt, die fast 5.000 Gerüche erkennen kann. IBM experimentiert mit KI-generierten Parfums. Und eine KI russischer Forscher schnüffelt nach potenziell tödlichen Gasgemischen.

In der Medizin könnten die KI-Nasen ebenso eingesetzt werden: Künstliche Schnüffler sollen bald Krankheiten erkennen. Forscher entwickeln eine KI, die im Atem enthaltene Moleküle identifizieren und so Diabetes, Krebs, Gehirnschäden oder Parkinson erkennen soll.

Empathisch sein

Wenn wir schon mit digitalen Assistenten sprechen und uns von medizinischen Chatbots diagnostizieren lassen – wie wäre es dann mit einem KI-Psychotherapeuten? Erste Apps mit diesem Versprechen kann man herunterladen: WoeBot ist ein Chatbot, der Menschen mit Depressionen helfen soll, ihren Alltag zu meistern. Wysa ist vom gleichen Typ Chatbot und soll helfen, Emotionen und Gedanken zu kontrollieren.

Künstliche Intelligenz identifiziert Emotionen in Gesichtern. Ein Google-Tool zeigt wie das aussieht.

Künstliche Intelligenz identifiziert Emotionen in Gesichtern. Ein Google-Tool zeigt, wie das aussieht. Bild: Eigener Screenshot / Google

Doch wirkliche Empathie erfordert, dass Maschinen subtile Signale in Körpersprache und Worten erkennen. Hier helfen KIs, die Emotionen in Gesichtern, Chatnachrichten oder der Stimme identifizieren. Die gleiche Technik kann im Marketing helfen, den Erfolg von Werbung zu verbessern oder Staaten erlauben, ihre Überwachungssysteme mit Emotionserkennung auszustatten.

Kreativ sein

Dank der GAN-Methode, bei der sich zwei KI-Agenten gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen, generiert KI immer bessere Fotos, Videos und Musik. Im Oktober 2018 versteigerte das Auktionshaus Christie’s erstmals KI-Kunst – für 432.000 US-Dollar.

Das Auktionshaus Christie's versteigerte erstmals KI-Kunst.

Das Auktionshaus Christie’s versteigerte erstmals KI-Kunst. Bild: Christie’s

Die für KI-Kunst notwendigen Werkzeuge sind für jeden verfügbar: Mit dem KI-Tool Ganbreeder generiert ihr aus unzähligen Bildkategorien neue, fantastische Kunstwerke. Und mit Nvidias GauGAN malt ihr Landschaften wie ein Profi. Beeindruckend ist die rasante Entwicklung der GAN-Technologie seit 2014.

Doch KI kann nicht nur malen: OpenAIs MuseNet mixt Musikstile. Eine KI japanischer Wissenschaftler generiert Melodien aus Songtexten. Und Dadabots KI schrubbt ununterbrochen Death Metal.

Ein Star-Wars-Künstler malt Landschaften mit Nvidias GauGAN.

Ein Star-Wars-Künstler malt Landschaften mit Nvidias GauGAN. Bild: Nvidia / Disney

Abseits der Kunst zeigt sich das Potenzial der KI-Kreativität ebenfalls: Erste KI-Patentanmeldungen stellen die Patentämter der Welt vor eine schwierige Frage: Wem gehört eine KI-Erfindung? Und die berüchtigten Deepfakes könnten Wahlen beeinflussen sowie Rachepornos verbreiten.

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