Eine KI soll vollenden, was Beethoven nicht mehr gelang

Eine KI soll vollenden, was Beethoven nicht mehr gelang

Beethovens Heimatstadt Bonn feiert demnächst das 250. Geburtsjahr des Komponisten. Aus diesem Anlass setzte sich ein internationales Team ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen eine KI programmieren, die Beethovens 10. Sinfonie vollendet und die Maschinenkomposition im Frühjahr uraufführen.

Das Team besteht aus KI-Forschern und Musikexperten, die sich seit Sommer 2018 regelmäßig im Bonner Beethoven-Haus treffen, um die Beethoven-KI zu trainieren.

Hauptverantwortlicher ist der Leiter des Karajan Instituts Matthias Röder. Zum Team gehören unter anderem der Komponist und Musikgelehrte Dr. Mark Gotham von der Cambridge University, Prof. Ahmed Elgammal, Leiter des Labors für Künstliche Intelligenz an der Rutgers Universität New Jersey und der emeritierte Harvard-Professor und Beethoven-Kenner Robert David Levin.

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Das Team trainierte das künstliche neuronale Netz wochenlang mit Stücken von Beethoven und anderen Komponisten seiner Epoche. Sonaten von Johann Sebastian Bach standen ebenfalls auf dem Trainingsplan: Beethoven war stark beeinflusst vom Barockkomponisten.

Unberechenbar wie ein Kind

Die FAZ beschreibt ein Treffen des Teams anlässlich einer KI-Hörprobe. Für die Komposition nimmt die Maschine Fragmente aus Beethovens unvollendeter Sinfonie als Grundlage und spinnt diese fort. Pianist Levin spielt die KI-Komposition an einem Klavier nach, damit sie „menschlicher“ klingt.

Das Ziel des von der Deutschen Telekom finanzierten Projekts sei nicht, eine kongeniale Beethoven-Sinfonie zu schaffen. Vielmehr solle gezeigt werden, wie Mensch und Maschine fruchtbar zusammenarbeiten könnten.

„Ein Computer wird nie ein Genie ersetzen“, meint Röder gegenüber der Frankfurter Allgemeine. Aber sie könnte die Arbeit des Menschen vereinfachen und seine Träume und Ziele neu ausrichten, so der Institutsleiter.

Mit dem Einspeisen von Beethoven-Musik ist die Trainingsarbeit nicht getan: Das Team muss die Maschine nach eigenen Angaben in jedem Schritt anleiten und korrigieren, wie bei einem Kind, das Komponieren lernt. Trotz alledem sei die Künstliche Intelligenz „unberechenbar“ und voller Überraschungen.

Noch nicht am Ziel

Das Resultat ist noch ernüchternd: Hält sich die KI zu streng an die Regeln, klingt die Musik öde, wird sie kreativ, verstört sie. Das ZDF spielte Professor Barry Cooper eine Kostprobe vor. Cooper rekonstruierte in den 80ern den ersten Satz der 10. Sinfonie und führte die Komposition auf.

Coopers Fazit: „Es ist sehr langweilig und klingt ganz und gar nicht nach Beethoven, obwohl man das ein oder andere Motiv von Beethoven heraushört“, sagt der Experte. „Sie haben so viel menschliche Intelligenz in diesem Team. Sie sollten in der Lage sein, etwas Plausibles zu komponieren, ohne die Hilfe von Künstlicher Intelligenz.“

Ob sich die KI noch verbessern kann, wird sich spätestens am 28. April 2020 zeigen. An diesem Tag wird die KI-Sinfonie vom Bonner Beethoven-Orchester uraufgeführt.

Titelbild: Von Joseph Karl Stielerhttp://www.fraunhofer.de/archiv/presseinfos/pflege.zv.fhg.de/german/press/pi/pi2002/08/md_fo6a.html, Gemeinfrei, Link Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, ZDF

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