KI-Upscaling: Die drei Könige des Blues im Hobby-Remaster

KI-Upscaling: Die drei Könige des Blues im Hobby-Remaster

Ein Blues-Gitarrist und -Lehrer skaliert alte Blues-DVDs mit KI hoch. Er lässt historische Aufnahmen in neuem Glanz erscheinen, zeigt aber auch, dass echte Filmrestaurierung noch immer ein schweres Handwerk ist.

KI-Upscaling erlaubt Bildbearbeitungslaien mit wenig Aufwand, Bilder und Videos zu restaurieren – so zumindest das Versprechen. Es gibt allerhand kostenlose und bezahlte Werkzeuge, mit denen Nutzer einzelne Fotos oder Videos hochskalieren, die Bildrate erhöhen oder kolorieren können.

Bei YouTube spielen Fans alter Videos mit der KI-Technik. Sie skalieren zum Beispiel Intros von Videospielklassikern mit Künstlicher Intelligenz hoch, der YouTuber Joel Hruska will sogar gleich alle Folgen von Deep Space Nine für seinen Privatgebrauch upscalen. Besonders beeindruckend sind die Projekte von Denis Shiryaev, der 125 Jahre alte Filmaufnahmen mit gleich mehreren KI-Werkzeugen aufwendig restauriert.

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Vintage Blues in 4K

Blues-Gitarrist, Lehrer und YouTuber Anthony Stauffer betreibt seit 2006 seinen „Texas Blues Alley“-Kanal bei YouTube, in dem er die Musik von Künstlern wie Albert King, B.B. King, Freddie King, Stevie Ray Vaughan oder Jimi Hendrix lehrt.

Mitte 2020 startete Stauffer einen neuen Kanal: „Vintage Blues in 4K“. Dort lädt der Musiker selbst restaurierte Videoclips von Konzerten verschiedener Blues-Legenden hoch.

„Ich unterrichte Blues-Musik seit über eine Dekade online. Während dieser Zeit bin ich ein ziemlicher Video-Nerd geworden“, schreibt Stauffer. In 2020 habe er mit dem KI-Upscale-Werkzeug „Video Enhance AI“ von Topaz Labs experimentiert. Nach positivem Feedback auf Facebook habe er sich entschlossen, den Prozess zu verfeinern und den neuen YouTube-Kanal zu gründen.

Stauffer nutzt als Ausgangsmaterial DVDs, die er mit Final Cut Pro X zu 60 Bildern pro Sekunde konvertiert und mit Denoising- und Schärfe-Algorithmen bearbeitet. Anschließend skaliert er die Aufnahmen mit Video Enhance AI auf 4K hoch und legt einen Filmkorn-Effekt darüber, um die Bilder authentischer wirken zu lassen. Seit der Kanal-Gründung hat Stauffer fast 60 Videos hochgeladen.

https://youtu.be/Y-ZMr3kIsVk

KI kann noch keinen Profi ersetzen

Die Ergebnisse können sich sehen lassen, sind jedoch weit von der Qualität entfernt, die man auf einem echten 4K-Remaster finden würde. Die 60 Bilder pro Sekunde wirken teilweise zu hektisch, bei Bewegungen verschmiert das Bild und das karierte Sakko von Freddie King ist verwaschen. KI-Upscaling hat Potenzial, aber bisher kann sie keine professionelle Restauration mit originalen Filmaufnahmen ersetzen. Stauffer nutzt als Basis DVD-Aufnahmen.

Stevie Ray Vaughan

Stauffers KI-Bild rechts ist im Vergleich zum Ausgangsmaterial links schärfer, der direkte Vergleich wird allerdings durch die YouTube-Kompression erschwert. | Bild: Stauffer

Dennoch sind die Bildverbesserungen im Vergleich zum Originalmaterial klar sichtbar – trotz der YouTube-Kompression. Ray Vaughans Gesicht ist unter dem Schatten seines Huts zu erkennen und ein scharfer Blick von Albert King zu seinem Schlagzeuger kommt deutlich zu Geltung. Es ist ein Ausblick auf das, was Musikfans erwarten könnte, wenn Menschen wie Stauffer noch bessere KI-Werkzeuge einsetzen und vor allem mehr Erfahrung im Umgang mit diesen sammeln.

Das sieht er selbst auch so: „Ich werde dazulernen und meinen Prozess weiter verbessern“, so Stauffer. „Ich habe diesen Kanal gestartet, damit Blues-Fans die Ergebnisse auf dem Weg dorthin genießen können.“

Titelbild: YouTube

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