IBMs Debattier-KI “Debater” sollte in einer öffentlichen Debatte ihr Publikum überzeugen – verlor aber gegen ihren menschlichen Widersacher. Dennoch überzeugte sie. IBM arbeitet seit sechs Jahren an der KI, die jetzt in eine kommerzielle Richtung fortentwickelt werden soll.

Die “Project Debater” getaufte KI trat nun gegen den erfahrenen Debattierer Harish Natarajan an. Das Ziel: In einem Rededuell mit Natarajan sollte sie das Publikum von Investitionen in Kindergärten überzeugen.

Sowohl KI als auch Mensch erfuhren das Thema erst 15 Minuten vor Beginn der Debatte. Die KI scannte etwa zehn Milliarden Sätze aus Zeitungen und anderen öffentlich verfügbaren Texten nach relevanten Abschnitten. Anschließend sortierte sie diese nach Relevanz und erstellte eine zusammenhängende Rede.

So entstanden vier Minuten Eröffnungsstatement, in denen die KI mit Fakten, Moral und Logik für mehr Investitionen eintrat. Nachdem Natarajan seinen Standpunkt dargelegt hatte, analysierte die KI seine Aussagen und beantwortete sie.

Weshalb die KI (wahrscheinlich) verlor

In einer abschließenden Abstimmung unter den ZuhörerInnen gewann jedoch Natarajan. Das lag wohl auch an der meist monotonen und emotionslosen Sprechweise von Project Debater.

Denn selten entscheidet alleine Logik im Rededuell. Insofern ist unklar, ob der monolithische Körper von Project Debater dem menschlichen Auftreten von Natarajan überhaupt gewachsen war. Interessant wäre, wie IBMs KI abgeschnitten hätte, würde sie über eine Sprachsynthese in der Qualität von Google Duplex und einen glaubwürdigen Avatar verfügen.

Trotz der Niederlage ist das Projekt ein Erfolg: IBM ist es gelungen, eine KI zu entwickeln, die Argumente für ein ihr zuvor unbekanntes Thema anbrachte und überzeugend auf die Gegenargumente ihres Gegners reagierte.

Verloren und doch gewonnen

Für IBM ist Project Debater nun Geschichte: Man entwickle die Technologie nun in “kommerziell sinnvolle Richtungen”, so IBMs Ranit Aharonov.

Das System könne zum Beispiel im Journalismus oder von Regierungen eingesetzt werden. Dort könne es Menschen in komplexe Debatten über kontroverse Themen einführen, die andernfalls nur oberflächlich behandelt würden.

Die Stärke der KI liegt in der organischen Zusammenstellung und Wiedergabe von Wissen. In Zukunft könnten digitale Assistenten so kompetentere Gesprächspartner werden, die im Alltag, in der Wirtschaft oder der Forschung komplexe Fragestellungen beantworten.

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