KI-Daten fürs Metaverse: Meta übernimmt Start-up Reverie

KI-Daten fürs Metaverse: Meta übernimmt Start-up Reverie

So unscharf Metas Metaverse-Vision noch ist, Künstliche Intelligenz wird bei der Generierung der neuen Digitalwelt eine zentrale Rolle spielen. Das Start-up A.I.Reverie soll dabei mit künstlichen Daten helfen.

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Ob das Metaverse nun eine hauptsächlich virtuelle 3D-Welt wird, ein digitaler Zwilling der Realität für Augmented Reality oder etwas dazwischen, vermischt mit traditionellen Computersystemen: Künstliche Intelligenz ist der Schlüssel, um schneller in diese digitale Zukunft zu gelangen und die komplexen Generierungsprozesse durch Automatisierung kosteneffizient zu verwalten. Undenkbar etwa, dass eine gigantische Echtzeit-VR-Welt wie die aus dem Sci-Fi-Film Ready Player One allein von Menschen programmiert wird.

KI spielt auch bei der Entwicklung von XR-Hard- und Betriebssoftware eine zentrale Rolle, etwa bei Trackingsystemen: Facebooks KI-Chef Yann LeCun bezeichnete KI als grundlegend für massenmarkttaugliche AR-Brillen. Einerseits für bestimmte Funktionen wie Objekterkennung, andererseits, damit der Rechenaufwand der Hardware und so deren Wärmeentwicklung trotz komplexer Rechenprozesse in Schach gehalten werden kann. Nvidias DLSS ist ein anschauliches Beispiel für effizienteres Rendering mit KI, das massiv Rechenleistung spart.

Künstliche Daten können KI-Entwicklung beschleunigen

Doch der flächendeckende Einsatz von KI-Systemen in vielen und häufig sehr spezialisierten Bereichen (etwa Handtracking) verlangt nach immer mehr Daten für das Training. In vielen Anwendungsszenarien ist die manuelle Beschaffung und Kennzeichnung dieser Daten jedoch sehr aufwendig. Oder die Daten existieren schlicht nicht, was den Einsatz von KI unmöglich macht.

Genau an dieser Stelle setzt das Start-up A.I.Reverie an, das sich von Meta im August für eine unbekannte Summe aufkaufen ließ: Reverie generiert künstliche Daten für das KI-Training. Dafür erstellt das Unternehmen möglichst realistische digitale Simulationen, etwa Szenen an einer Straßenecke (siehe Titelbild) oder für die realistische Ausleuchtung virtueller Welten, aus denen dann spezifische Datensätze für das KI-Training generiert werden können.

Laut des früheren Reverie-Chefs Daeil Kim kann die eigene Software einen „nahezu unendlichen Vorrat an mit Anmerkungen versehenen Bildern und Videos“ erzeugen, so die Entwicklung von Computer Vision beschleunigen und gleichzeitig die Kosten für das KI-Training senken.

Ein Beispiel: Meta sammelt derzeit in einem aufwendigen Prozess aus der Ich-Perspektive gefilmte Videos weniger ausgewählter Personen. Mit diesen Daten soll KI trainiert werden, die unseren Alltag besser versteht, was wiederum für eine Augmented-Reality-Brille wesentlich ist. Reverie könnte auf Basis der wenigen realen Daten ähnliche künstliche Daten erzeugen, den Datensatz somit deutlich vergrößern und dadurch das KI-Training beschleunigen und die Qualität des KI-Systems steigern.

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Künstliche Daten bergen auch Risiken

Es wäre zu einfach, wenn der Datenhunger von KI-Systemen allein mit künstlichen Daten gestillt werden könnte. Denn die Generierung künstlicher Daten birgt auch signifikante Risiken, gerade in Szenarien, in denen KI-Systeme folgenschwere Entscheidungen treffen. Bei der zuvor erwähnten künstlichen Erweiterung realer Daten können etwa Vorurteile verstärkt werden. Außerdem könnten sich für Menschen nicht wahrnehmbare Fehler in die künstlichen Daten schleichen, die zu einer Fehlfunktion führen.

Im MIXEDCAST #274 sprechen wir ab Minute 15:00 über die Chancen, Risiken und Anwendungsszenarien künstlich generierter Daten am Beispiel von Nvidias Omniverse Replicator, einem Werkzeug für die Generierung künstlicher Daten.

Reverie versorgte vor der Übernahme durch Meta unter anderem das US-Verteidigungsministerium und Unternehmen aus der Landwirtschaft und dem Einzelhandel mit einer Plattform für die Generierung künstlicher KI-Trainingsdaten.

Im Januar 2021 schloss Reverie einen Dreijahresvertrag mit der US Air Force über bis zu 950 Millionen US-Dollar für die Entwicklung eines Gefechtsführungssystems und KI-gestützte Kommando- und Kontrollsysteme. Der Vertrag mit der Air Force wurde mit der Übernahme durch Meta aufgelöst.

Reverie geht in Metas XR-Abteilung Reality Labs auf und soll laut Meta zur Entwicklung fortschrittlicher KI-Algorithmen beitragen, die für den Aufbau des Metaverse benötigt werden. Die Übernahmesumme ist nicht bekannt.

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Quelle: Financial Times