Jeep: Wie realistisch sind autonome Geländewagen?

Jeep: Wie realistisch sind autonome Geländewagen?

Bei einem Online-Event zeigt Stellantis das Konzept eines autonom fahrenden Jeeps, der 2030 automatisch anspruchsvolle Off-Road-Strecken bezwingt. Wie realistisch ist diese Vision?

Der Automobil-Gigant Stellantis stellt auf dem hauseigenen Online-Event „EV Day 2021“ seine Elektrifizierungsstrategie für die zum Konzern gehörenden Automarken vor. Dazu zählt auch der traditionsreiche Geländewagenhersteller Jeep, der im Rahmen des Events seinen neuen, elektrisch betriebenen Jeep Grand Cherokee 4xe zeigt.

Eingebettet in die Präsentation ist auch Jeeps Zukunftsvision eines selbstfahrenden Geländewagens. Werden die gezeigten Ideen in die Realität umgesetzt, könnten sich Off-Road-Fahrer ab 2030 autonom durch offenes Gelände fahren lassen.

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Jeep gibt Zero-Emission-Pläne bekannt

Jeep-CEO Christian Meunier zeigt in dem sechsminütigen Video die Zero Emission-Ambitionen des Geländewagenherstellers. In weniger als vier Jahren soll es in jedem SUV-Segment des Herstellers Modelle mit elektrischen Antrieben geben. Siebzig Prozent aller verkauften Jeeps sollen dann mit Strom betrieben werden.

Schon dieses Jahr wird das gesamte SUV-Line-Up in Europa die elektrische 4xe-Antriebstechnologie nutzen. Um die Fahrten auch auf abgelegenem Terrain zu ermöglichen, will der Konzern Solar-Ladesäulen in ausgewiesenen Off-Road-Gebieten errichten.

Autonomes Fahren, biometrische Gesichtserkennung und integrierte Drohne

Die ambitionierten Pläne des traditionsreichen Unternehmens gehen aber noch weiter. Im Clip sieht man einen selbstfahrenden Geländewagen, der im Jahr 2030 durch unbefestigtes Gelände fährt. Ausgestattet mit einer biometrischen Gesichtserkennung soll er Fahrzeughalter identifizieren und den Wagen automatisch entsperren.

Mithilfe eines Peer-to-Peer Charging-Moduls laden sich zwei Jeeps gegenseitig auf, wenn mal keine E-Tank-Säule parat steht. Ein weiteres Feature könnte das „Jeep Drone Pairing“ werden. Das Video zeigt, wie eine in der Motorhaube integrierte Drohne nachts vor dem Fahrzeug fliegt und die Umgebung ausleuchtet.

Die wohl spannendste Zukunftsvision des Geländewagenherstellers ist das autonome Fahren abseits befestigter Straßen. So sollen Wandernde Berge zu Fuß erklimmen, während der Jeep selbstständig zu einem definierten Ziel fährt.

Per „Remote Vehicle Tracking“ soll das Fahrzeug beispielsweise über eine Datenbrille beobachtet werden. Als Höhepunkt sieht man ein im Jeep liegendes Paar, das durch ein offenes Dach den Sternenhimmel beobachtet – während der Fahrt.

Wie realistisch ist eine autonome Off-Road-Fahrt?

Damit ein Off-Road-Fahrzeug selbstständig durch unbefestigtes Gelände fahren kann, wäre Level 5 der SAE-Norm für autonomes Fahren nötig. Diese Technologie ist bisher noch nicht erreicht. Hersteller von autonomen Fahrsystemen arbeiten derzeit daran, sicheres autonomes Fahren der Stufe 4 in den Innenstädten zu realisieren.

Die grafische Darstellung der Funktionsweise eines Bodenradars im autonomen Fahren.

Ein US-Start-up nutzt eine vom MIT entwickelte Technik, um Fahrbahndaten aus der Beschaffenheit des Untergrunds zu ziehen. | Bild: MIT Lincoln Labratory

Dazu wird in den meisten Systemen ein Mix aus Radar- und Lidar-Sensoren sowie Kameras zu Umgebungserfassung eingesetzt. Damit Robo-Taxi-Dienste wie die von Waymo und Cruise fahrerlos durch die Stadt fahren können, werden bestimmte Gebiete für HD-Karten erfasst. Die KI-Systeme der Fahrzeuge greifen so auf hochdetaillierte Karten zu, die zentimetergenaue Information zu Straßenmarkierungen, Bordsteinen, Ausfahrten oder Straßenschildern liefern.

Autonomes Off-Road-Fahren wäre die Königsdisziplin

Viele kombinierte Fahrassistenzsysteme wie Teslas Autopilot lassen sich gar nicht erst aktivieren, wenn eine Straße nicht ausreichend ausgebaut, markiert und mit Straßenschildern bestückt ist. Das ging auch aus einem Unfall-Bericht von US-Behörden hervor, die einen tödlichen Unfall mit einem Tesla in einem Wohngebiet untersuchten. Der Unfallhergang wurde nachgestellt. Da die Straße keine Fahrbahnmarkierungen aufwies, ließ sich der Lenkassistent dort nicht aktivieren.

Es gibt Ansätze mit Bodenwellenradaren, die das Fahrzeug anhand der Beschaffenheit des Untergrunds navigieren. Ein US-Start-Up zieht Daten aus dem Boden, indem ein „Ground Penetrating Radar“ elektromagnetische Impulse in die Fahrbahn leitet. Aus den einzigartigen Reflexionen von Erde, Steinen, Wurzeln oder Rohren sowie Veränderungen der Bodeneigenschaften wird so eine ergänzende Basiskarte für autonom fahrende Vehikel erstellt.

Diese Radare könnten derzeit vor allem bei schneebedeckten Fahrbahnen helfen. Bis sicheres autonomes Fahren abseits von Straßenschildern, Spurlinien und Ampelsystemen möglich ist, dürften allerdings noch einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte vergehen. Stellantis‘ Vision, ab 2030 autonom durchs Gelände zu fahren, ist nicht unerreichbar, aber ambitioniert.

Titelbild & Quelle: Stellantis / Jeep

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