OpenAIs mächtige Text-KI GPT-3 steht bereits einigen Entwicklern zur Verfügung. Ich stelle euch fünf Projekte vor, in denen ihr die KI in Aktion testen könnt.

Im Mai stellte OpenAI die neue Text-KI GPT-3 vor, im Juni konnten sich Interessierte dann für einen API-Zugriff bewerben. Schnell wurde klar: GPT-3 ist ein sprachliches Multitalent. Die KI schreibt glaubwürdige Texte, generiert Code-Beispiele oder füllt Excel-Tabellen aus.

Mittlerweile gibt es einige Webseiten und Werkzeuge, die GPT-3 für konkrete Anwendungen einsetzen. Die folgenden fünf Anwendungen sind besonders interessant und stehen als kostenlose Testversion bereit. Sie funktionieren primär in englischer Sprache, aufgrund des breiten Sprachtrainings beantwortet GPT-3 in manchen Fällen auch deutsche Fragen – allerdings auf Englisch.

 

KI-Abenteuer im AI Dungeon

AI Dungeon startete als Experiment: Kann eine Text-KI eine unendliche Geschichte im Stil eines Pen-und-Paper-Rollenspiels schreiben? Entwickler Nick Walton setzte dafür anfangs auf OpenAIs Text-KI GPT-2, die unterhaltsame Geschichten erzeugte, denen es allerdings an Tiefgang und Konsistenz mangelte.

Im Juli veröffentlichte Walton das „Dragon“-Update für AI Dungeon. Seitdem können zahlende Spieler in den Optionen den Spielleiter auf das GPT-3-basierte Dragon-Modell schalten.

GPT-3 bietet ein besseres Textverständnis und schreibt wesentlich glaubwürdigere Texte als das Vorgängermodell, da die KI mehr Kontext als GPT-2 erfasst. Die von GPT-3 generierten Abenteuer sind besser erzählt und es kommt seltener zu Brüchen in der Geschichte.

Screenshot aus AI Dungeon

MIXED-Mad-Max wird auf seinem Weg von Wölfen überrascht. Was dann passiert, ergibt nicht immer Sinn, hat aber Unterhaltungswert. | Bild: AI Dungeon

AI Dungeon bietet die Möglichkeit, die Kreativität der KI hoch und runter zu drehen oder einen eigenen Hintergrundtext zu schreiben, den die KI immer als Teil des Story-Kontextes verwendet. So stellen Spieler sicher, dass sich bestimmte Regeln in der Welt oder wichtige Persönlichkeiten nicht allzu stark ändern.

Das Dragon-Modell ist eigentlich nur für zahlende Kunden verfügbar. Ihr könnt AI Dungeon jedoch nach einer Registrierung sieben Tage lang kostenlos testen. Das anschließende Premium-Abo kostet dann 9,99 US-Dollar. Anschließend könnt ihr in den Einstellungen eures Kontos auf das GPT-3-Modell „Dragon“ wechseln.

Die großen Fragen klären: Philosopher AI

Philosopher AI ist eines von vielen GPT-3-Experimenten, die in den letzten Wochen aus dem Boden geschossen sind. Über eine Eingabemaske stellt ihr GPT-3 philosophische Fragen, die KI antwortet.

Als Philosoph kann ich sagen: GPT-3 kannte auf die meisten meiner Fragen eine passende Antwort, darunter auch Fragen nach philosophischen Fachbegriffen. Das Experiment zeigt auch, dass GPT-3 Antworten mit Argumenten für Behauptungen versieht.

Die Qualität der Antworten schwankt meist zwischen Wiki-tauglich und Stammtisch-Philosophie. Manche Ergebnisse sind jedoch wirklich beeindruckend: Die KI erklärt Probleme, wägt verschiede Positionen ab oder gibt einen historischen Abriss der Begriffsentwicklung.

Der KI-Philosoph erklärt den Kategorischen Imperativ von Kant. Wer den Imperativ kennt, wird viele Fehler finden. Aber es wird deutlich, dass GPT-3 auf der richtigen Spur ist. | Bild: Philosopher AI

Der KI-Philosoph erklärt den Kategorischen Imperativ von Kant. Wer den Imperativ kennt, wird viele Fehler finden. Aber es wird deutlich, dass GPT-3 auf der richtigen Spur ist. | Bild: Philosopher AI

Der Entwickler Murat Ayfer nutzt GPT-3 außerdem, um die Eingaben der Nutzer auf Sinnhaftigkeit oder Sensitivität zu überprüfen. So sollen allzu fragwürdige Ausgaben verhindert werden. In der Praxis funktioniert das noch nicht gut, teils werden eigentlich sinnvolle Anfragen blockiert.

Sollte eine eurer Anfragen als „nonsense“ oder „sensitive“ eingestuft werden, gibt es verschiedene Lösungswege. Meistens reicht es, die Antwort neu zu generieren. Wenn das nicht hilft, sollte die Anfrage einfach als hypothetisch oder als Gedankenexperiment umformuliert werden.

Ayfer will aus Philosopher AI im nächsten Schritt einen philosophischen Chatbot machen. Den KI-Philosophen könnt ihr kostenlos testen.

KI-Coach FitnessAI

FitnessAI Knowledge benutzt GPT-3 für Antworten auf Gesundheits- oder Fitnessfragen. Wie nehme ich am besten ab? Welche Muskelgruppe spreche ich mit Seitheben an? Woher weiß ich, ob ich mit zu viel Gewicht trainiere?

Damit GPT-3 nicht allzu wilde Antworten gibt, schränkt FitnessAI die Kreativität der Text-KI ein und setzt den sogenannten Temperaturwert auf null. Mit einem niedrigen Temperaturwert tendiert GPT-3 dazu, akkurate statt kreative Antworten zu geben. Zum Vergleich: AI Dungeon setzt diesen Wert standardmäßig auf eins und lässt Premium-Nutzer einen Wert zwischen null und zwei einstellen.

Screenshot von FitnessAI Knowledge Beta

FintessAI Knowledge-Beta weiß auf jede Fitness-Frage eine Antwort. Und häufig liegt der KI-Coach richtig. | Bild: FitnessAI

Wegen der Kreativitätsbegrenzung gibt der KI-Coach meist sinnvoll klingende Antworten und scheint ein Grundverständnis von Begriffen wie Kraft, Muskelmasse oder Ausdauer zu haben. Ob die Tipps nützlich sind oder überhaupt Sinn ergeben, solltet ihr überprüfen, indem ihr zusätzlich in andere Quellen schaut. GPT-3 wirft immer mal wieder völlig abwegige Falschinformationen aus, ohne dass der Nutzer die Selbstsicherheit der KI einschätzen kann.

FitnessAI Knowledge ist kostenlos verfügbar und benötigt keine E-Mail-Registrierung.

Einfach erklärt mit Simplify.so

Simplify fasst mit GPT-3 automatisch Texte zusammen. Entwickler Chris Lu bezeichnet sein Projekt als „Erklär es mir, als wäre ich fünf“-Webseite. Die Idee: Ihr fügt einen komplexen Text in ein Textfeld ein, drückt einen Knopf und GPT-3 gibt eine leicht zu verstehende Zusammenfassung aus.

In der Praxis funktioniert das bei wiederholten Versuchen manchmal sehr gut, manchmal kaum. Circa eine von fünf Antworten bietet ein akzeptables Ergebnis, schätzt Lu. Wer also einen komplexen Text einfacher machen will, muss wohl mehrfach auf den „Simplify“-Button hämmern.

Screenshot von Simplify

Simplify soll komplexe Texte leicht verständlich wiedergeben: Im Bild seht ihr GPT-3s Versuch, eine Passage des Philosophen Immanuel Kant zusammenzufassen. Das Ergebnis ist nicht vollständig richtig, aber auch nicht komplett falsch. Vielleicht würde man Kant so tatsächlich einem Fünfjährigen erklären, wenn man es eilig hat. | Bild: Simplify

Dennoch sollte ein Grundverständnis für den Ursprungstext vorliegen, andernfalls lässt sich nicht einschätzen, ob die Erklärung taugt. Wie schon beim KI-Coach von FitnessAI solltet ihr das Ergebnis daher kritisch betrachten.

Simplify ist kostenlos verfügbar, sofern ihr euch mit eurer E-Mail-Adresse registriert.

Empfehlungsmaschine Serendipityrecs

Serendipityrecs ist der Versuch, aus GPT-3 eine Film- und Buchempfehlungsmaschine zu machen. Doch statt eines klassischen Empfehlungsalgorithmus, der eure Gewohnheiten über euer Klick- oder Konsumverhalten kennenlernt, setzt die Webseite das Wissen von GPT-3 ein, das die KI beim umfangreichen KI-Training mit Webtexten ansammelte.

Über ein Eingabefeld könnt ihr nach von euch festgelegten Kriterien nach Büchern oder Filmen suchen. Romantische Komödien mit Matt Damon, aber ohne Ben Affleck? Filme, die man beim ersten Mal versteht? Bücher, in denen Künstliche Intelligenz die Weltherrschaft an sich reißt? Bei den Suchanfragen sind eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Im Hintergrund verarbeitet GPT-3 die Suchanfrage und wirft dem Nutzer anschließend eine Liste mit Filmen oder Büchern aus. Laut Entwickler funktioniert die Suche aktuell besser für Filme als für Bücher. Die Nutzung von Serendipityrecs ist kostenlos und benötigt keine E-Mail-Registrierung.

Titelbild: Philosopher AI

Weiterlesen über OpenAI GPT-3:

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