Auf dem GPT-3 Demo Day zeigen Entwickler, welche Geschäftsideen und App-Konzepte sie mit der Text-KI testen. Die Demonstrationen überzeugen: Auch wenn GPT-3 lange nicht perfekt funktioniert, zeigt der Demo Day, wie KI zu grundlegend neuen Interfaces und Programmen beitragen kann.

Die Startup-Plattform Pioneer veranstaltete kürzlich einen Demo-Tag, bei dem 13 Teilnehmer ihre GPT-3-Projekte vorstellten.

Hosts der Veranstaltung waren unter anderen Daniel Gross, Pioneer-Gründer und ehemaliger KI-Direktor bei Apple, Nat Friedman, CEO bei GitHub, und Andrej Karpathy, KI-Chef bei Tesla und früher selbst bei OpenAI als KI-Forscher tätig.

Die vorgestellten Projekte waren vielfältig, fünf besonders interessante stelle ich euch vor.

GPT-3 steuert Webseiten-Baukasten

Entwickler Teddy Pejoski arbeitet seit einigen Monaten an Enzyme, einem Service, mit dem Nutzer ohne Vorerfahrung eine Webseite erstellen können.

GPT-3 ermögliche ihm, ein englischsprachiges Sprach-Interface anzubieten, mit dem Nutzer einfach beschreiben können, welche Art von Webseite sie sich wünschen, sagt Pejoski.

Im Hintergrund verarbeitet GPT-3 die Anfrage und leitet sie an sein Web-System weiter, das die Webseite aus einem von ihm zusammengestellten Baukasten aus HTML und CSS-Code, E-Commerce-Templates und anderen Bausteinen automatisch zusammensetzt.

Enzyme soll Ende 2020 verfügbar sein. Alternativ könnt ihr euch auf der Webseite für einen früheren Zugriff registrieren.

Auto-E-Mailer – GPT-3 vervollständigt E-Mails

Matt Shumer vom KI-Startup OthersideAI will mit GPT-3 unsere E-Mail-Kommunikation revolutionieren. Er stellt Quick Response vor, ein GPT-3-gestütztes Tool, das komplette englischsprachige E-Mails aus Stichwörtern generiert.

Die Idee: Statt auf jede E-Mail eine vollständige Antwort mit allen dazugehörigen Formalien zu schreiben, können Kunden einfach die gewünschte Botschaft in ein paar Stichwörtern in die Mail tippen. Quick Response generiert daraus eine vollständige E-Mail, die Nutzer bei Bedarf noch weiter anpassen können.

Shumer verspricht etwa 60 bis 80 Prozent Zeitersparnis beim Beantworten von E-Mails. Als Nächstes soll das Tool lernen, ganze E-Mail-Unterhaltungen zusammenzufassen.

Ein Veröffentlichungsdatum gibt es bisher nicht, allerdings könnt ihr euch auf OthersideAI auf einen Zugriff bewerben.

Shortly: GPT3 inspiriert Autoren

Qasim Munye nutzt GPT-3 für das, was die KI am besten kann: Texte schreiben. Er entwickelt die Kurzgeschichten-App Shortly, mit der Nutzer Kurzgeschichten verfassen und mit anderen Nutzern teilen können.

Bei einer Schreibblockade oder als Inspiration können Autoren auf Knopfdruck GPT-3 auf Englisch weiterschreiben lassen. Der bisher verfasste Text dient dabei als Kontext für die KI-generierte Fortführung.

Die Shortly-App soll Autoren gute KI-generierte Ideen liefern. | Bild: Shortly

Die Shortly-App soll Autoren gute KI-generierte Ideen liefern. | Bild: Shortly

Der kreative Schreibassistent käme gut an, sagt Munye. In Zukunft seien auch mehrere KI-Assistenten vorstellbar, die einzelne Charaktere in der Geschichte übernehmen.

Shortly ist auf Google Play und in Apples App Store kostenlos verfügbar.

Fake-Lebenslauf mit Deepfake-Porträt: Online-Persona-Generator

Tyler Lastovich ist verantwortlich für Unternehmensentwicklung bei Generated Media. Das KI-Startup bietet kostenlose KI-generierte Porträtfotos an.

Mit seinem neuen Projekt möchte Lastovich zeigen, welche Auswirkungen GPT-3 auf KI-generierte Medien haben könnte. Sein Online-Persona-Generator nimmt Personenbeschreibungen wie Geschlecht, Alter, Wohnort und Beruf und generiert daraus glaubwürdige Fake-Profile für eine von Lastovich angefertigte LinkedIn-Attrappe.

Fotos von Menschen, die gar nicht existieren, könnten die Werbe- und Modelindustrie auf den Kopf stellen. Und wahrscheinlich nicht nur die.

Generated Media bietet KI-generierte Porträtaufnahmen von Menschen, die es gar nicht gibt. GPT-3 soll jetzt die dazu passenden Lebensentwürfe schreiben. | Bild: Generated Media

GPT-3 verarbeitet die Beschreibung und generiert aus dem gegebenen Kontext weitere Daten zur Fake-Persona, etwa bei welchem Unternehmen sie angestellt ist und seit wann. Eine Person, die im Silicon Valley als Softwareentwickler arbeitet, ordnet GPT-3 zum Beispiel Google als Arbeitgeber zu.

Bei seiner Demonstration zeigte Lastovich das eingebaute Chat-System und stellte der Fake-Person einige Fragen. Die Antworten werden ebenfalls von GPT-3 unter Berücksichtigung des Fake-Profils als Kontext generiert.

Eine Bot-Invasion sozialer Netzwerke plant Lastovich nicht, er sieht Anwendungsfälle eher bei Videospielen: Die Software könnte automatisch glaubwürdige Nicht-Spieler-Charaktere generieren und so die Entwicklungskosten senken.

GPT-3 als Storyline-Generator für Videospiele

Der deutsche Spieleentwickler Sebastian Parfitt nutzt GPT-3 für einen KI-gestützten Traumsimulator Project Electric Sheep: Spieler tippen ihren Wunschtraum ein und gehen anschließend ins virtuelle Bett. GPT-3 und andere Methoden im Hintergrund generieren dann eine visuelle Traumwelt, durch die Spieler in der Ego-Perspektive wandeln können.

In der Traumwelt trifft der Spieler auf andere Charaktere, mit denen er sich unterhalten kann. Alle Antworten sind von GPT-3 generiert und nehmen den Wunschtraum sowie Fragen des Spielers in Unterhaltungen als Kontext für sinnvolle Antworten.

In der virtuellen Traumwelt können Spieler sogar zum Traum passende GPT-3-generierte Bücher und News finden. Im Hintergrund der GPT-3-Träume soll der Spieler eine traditionelle lineare Story entdecken können.

Project Electric Sheep soll im ersten Quartal 2021 kostenlos erscheinen. Parfitt will mit seinem Spiel Aufmerksamkeit schaffen für die Bedeutung kritischen Denkens im KI-Zeitalter, in dem es zunehmend leichter wird, Texte, Bilder oder Videos von Grund auf zu generieren und zu fälschen.

Den vollständigen GPT-3 Demo Day könnt ihr im folgenden Video ansehen.

Titelbild: Pioneer

Weiterlesen über Künstliche Intelligenz:

steady2

MIXED.de XR-Podcast - jetzt reinhören

Aktuell: Alles zur Facebook Connect 2020 | Alle Folgen


Hinweis: Links auf Online-Shops in Artikeln können sogenannte Affiliate-Links sein. Wenn ihr über diesen Link einkauft, erhält MIXED.de vom Anbieter eine Provision. Für euch verändert sich der Preis nicht.