Wirklich kritisch sind die Aufnahmen, die versehentlich mitgeschnitten wurden.

Im April berichtete Bloomberg, dass Lohnarbeiter mit Amazons KI-Assistenz Alexa aufgezeichnete Sprachnachrichten anhören und auswerten, um unter anderem die Dialogfähigkeit der KI zu verbessern. Die Teams sitzen in Boston, Costa Rica, Indien oder Rumänien und gehen bis zu 1.000 Aufnahmen pro Tag durch.

Schon damals klopfte Bloomberg auch bei Apple und Google an: Beide Konzerne bestätigten, ebenfalls Audioaufnahmen von Siri und des Assistant von Menschen prüfen zu lassen, um die Spracherkennung ihrer Assistenzsysteme zu verbessern.

Ein entsprechender Passus ist in Googles Datenschutzerklärung vermerkt. Dort heißt es, dass “Mitarbeitern, Auftragnehmern und Kundenservicemitarbeitern von Google” Zugriff gewährt wird auf personenbezogene Daten, sofern sie diese “für die weitere Datenverarbeitung unbedingt benötigen”.

Der belgischen Rundfunkanstalt VRT NWS wurden jetzt 1.000 Aufnahmen zugespielt, die mit Google Home oder der Smartphone-App Google Assistant gespeichert wurden. Sie lassen zum Teil Rückschlüsse auf die Person selbst zu, wenn zum Beispiel Fragen nach bestimmten Medikamenten gestellt werden oder nach Pornografie gesucht wird. Zum Teil waren Adressen zu hören. VRT NWS recherchierte entlang der Aufnahmen und konnte einzelne Personen ausfindig machen.

Google bestätigt, dass insgesamt rund 0,2 Prozent der Sprachaufnahmen von Angestellten ausgewertet werden. Einige Tausend Personen sollen es laut des Informanten von VRT NWS weltweit sein, die mit dieser Beschäftigung Geld verdienen. Google-Nutzer können die Aufzeichnungen im Internet anhören und löschen.

Ungefragt mitgehört

Soweit sind die Enthüllungen von VRT NWS nicht überraschend: Das Vorgehen ist im Grunde bekannt und wer diese Services nutzt, willigt in die Datenverarbeitung ein.

Wirklich kritisch aus Datenschutzperspektive ist eher nicht die grundsätzliche Existenz der menschlichen Zuhörer, sondern ein Fehler im Prozess: Der Google Assistant soll Audio eigentlich nur dann mitschneiden, wenn er durch einen Sprachbefehl gezielt dazu aufgefordert wird.

Mitunter schaltet sich die Software aber versehentlich hinzu: Laut VRT NWS wurden 153 der 1.000 Aufnahmen angefertigt, ohne dass die aufgenommene Person überhaupt mit dem Assistant interagieren wollte. Zum Teil wurden so private und berufliche Gespräche aufgezeichnet. In einer Audioaufzeichnung soll eine Frau zu hören sein, der offenbar Gewalt angetan wird.

Das folgende Video zeigt den vollständigen VRT-Bericht mit englischen Untertiteln.

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