Der südkoreanische Go-Spieler Lee Sedol will keine professionellen Wettkämpfe mehr bestreiten. Der Grund: Er sieht sich als ewige Nummer Zwei hinter Künstlicher Intelligenz.

Sedol spielte im Frühjahr 2016 gegen die von der Google-Schwester Deepmind entwickelte Künstliche Intelligenz. Sedol, der zwischen 2007 und 2011 als weltbester Go-Spieler galt, glaubte vor dem Wettkampf, leichtes Spiel mit der KI zu haben. Er verlor 4:1 gegen die Maschine.

Sedol ist der einzige Mensch, der jemals ein Spiel gegen AlphaGo gewann – und glaubt, dass er nur deshalb siegte, weil er einen Programmfehler auszunutzte.

Eine unbesiegbare Entität

Der 36-Jährige beendete letzte Woche seine professionelle Go-Karriere. Gegenüber der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap sagt er, weshalb: Seine Verabschiedung vom Go-Sport sei primär auf die Unbesiegbarkeit Künstlicher Intelligenz zurückzuführen.

“Mit dem Aufkommen von KI in Go-Spielen ist mir klar geworden, dass ich nicht an der Spitze stehe, selbst wenn ich durch verzweifelte Versuche die Nummer Eins würde”, sagt Sedol. “Selbst dann gibt es eine Entität, die nicht besiegt werden kann.”

Trotz seines Rückzugs will Sedol im Dezember ein weiteres Spiel gegen eine Maschine bestreiten: die südkoreanische KI HanDol, die bereits die fünf besten südkoreanischen Spieler schlug, ist dann sein Gegner. Sedol erhält einen Vorteil von zwei Steinen, glaubt aber dennoch, dass er das erste Spiel verlieren wird.

Deepmind-KI wird immer besser

Deepmind verbesserte die AlphaGo-KI nach dem aufsehenerregenden Wettkampf und entwickelte sie zu AlphaZero weiter. Der Zusatz “Zero” ist Programm: Die verbesserte KI lernt Go und andere Brettspiele nicht mehr am Beispiel menschlicher Wettkämpfe, daher die Null im Namen, sondern spielt sie in übermenschlicher Geschwindigkeit gegen sich selbst.

So brachte sich Alpha Zero eigenständig Spiele wie Go bei und übertrumpfte die alte KI: Sie gewann hundert von hundert Wettkämpfen gegen AlphaGo.

Sedol ist nach Schachweltmeister Magnus Carlson der zweite Profibrettspieler, der einer Deepmind-KI öffentlich Tribut zollt: Carlson bezeichnete Deepminds KI AlphaZero als seine “Heldin”, da er durch die ungewöhnlichen Spielzüge der Künstlichen Intelligenz einen neuen Blickwinkel auf sein Spiel erhalten habe.

Quelle: Yonhap

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