In China gibt es ein spannendes Urteil zum Copyright KI-geschriebener Texte.

Auf Sprachverarbeitung trainierte Künstliche Intelligenz wird immer besser darin, Muster in Texten zu analysieren und passend dazu ähnliche Texte mit aktuellen Informationen zu erstellen. 2019 erschienen neue, besonders leistungsfähige KI-Modelle für Sprache wie GPT-2 von OpenAI oder Megatron von Nvidia.

Diese und ähnliche Text-KIs erstellen beispielsweise einfache, faktenbasierte Sport- oder Finanzmeldungen für Nachrichtenseiten im Internet. Glaubt man den Entwicklern entsprechender Software, wird in den nächsten Jahren der Anteil an KI-generierten Nachrichten zunehmen.

Chinesisches Gericht spricht sich für KI-Copyright aus

Ein Gericht in Shenzhen in der Provinz Guangdong durfte in diesem Kontext nun einen interessanten Fall verhandeln: Der chinesische Techriese Tencent verklagte das Unternehmen Shanghai Yingxun Technology, das ohne Erlaubnis eine Finanznachricht kopierte, die von Tencents Text-KI “Dreamwriter” erstellt wurde.

Die Text-KI schreibt seit rund fünf Jahren kurze Nachrichten für Tencent. Ihre Texte werden seitens Tencent mit einem Vermerk versehen, dass sie von einer KI erstellt wurden.

Shanghai Yingxun Technology reichte dieser Vermerk offenbar, die Texte als Allgemeingut zu betrachten. 2018 kopierte es eine von Dreamwriter verfasste Finanznachricht unverändert und veröffentlichte sie auf der eigenen Online-Plattform.

Die grundlegende Frage, die das Gericht jetzt beantworten musste: Steht ein von einer Maschine erstellter Text ebenso unter Copyright wie der eines menschlichen Autors?

Die Antwort laut Gericht: Ja. Allerdings fiel die Strafe milde aus: Tencent wurde eine Entschädigungszahlung  über umgerechnet rund 216 US-Dollar zugesprochen wegen Rechteverletzung und wirtschaftlichem Schaden. Shanghai Yingxun Technology hatte den Artikel zum Zeitpunkt des Urteils schon von der eigenen Seite entfernt.

In der Urteilsbegründung wird die Textsicherheit der KI gelobt: Der Artikel beinhalte eine Auswahl, Analyse und Beurteilung relevanter Informationen und Daten im Kontext des Aktienmarktes. Die Struktur des Textes sei gut, die Logik klar und er biete eine gewisse Originalität.

Wer hält die Rechte am KI-Werk?

Für die chinesische KI-Branche ist dieses Urteil ein erster Fingerzeig, wie in China zukünftig KI-Copyright gehandhabt werden könnte. Auf die Gesetzeslage in Europa und die USA lässt sich das Urteil freilich nicht ohne weiteres übertragen. Auch in China könnten zukünftig noch andere Urteile folgen.

Denn die rechtliche Gemengelage ist komplex, die zu beantwortenden Fragen sind grundlegend und teils von philosophischer Natur. So zum Beispiel die Frage: Muss ein kreatives Werk zwangsläufig dem menschlichen Geist entspringen?

Wenn der Mensch nur mehr den Algorithmus-Auslöser spielt für Texte, Videos, Bilder oder wertvolle Kunstwerke, sollte er dann wirklich die Rechte am entstandenen Werk erhalten? Oder gehören die Rechte etwa der Person, die den Algorithmus ursprünglich konzipierte?

Reicht es womöglich, die Daten für das KI-Training zusammenzusuchen? Allein die Auswahl eines vortrainierten Algorithmus könnte man als Kreativakt werten, wenn diese Auswahl mit einer künstlerischen Vision einhergeht.

Der Fall des zuvor erwähnten KI-Kunstwerks, das von einer Künstlergruppe algorithmisch kreiert und anschließend für rund 430.000 US-Dollar im Auktionshaus Christie’s versteigert wurde, veranschaulicht diese Komplexität: Der Erschaffer des zugrundeliegenden KI-Modells Robbie Barrat ärgerte sich nach der erfolgreichen Auktion öffentlich, dass seine rechtefrei im Internet verfügbare KI-Software von der Künstlergruppe auf diese Art eingesetzt wurde.

Kann eine KI überhaupt kreativ sein und Kunst erschaffen? Wir widmen diesem Thema einen ausführlichen Podcast mit Expertenstimmen, den ihr euch nachfolgend gerne anhören könnt.

Quelle: China News Service

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