Galileo Project: Mit KI den UFOs auf der Spur

Galileo Project: Mit KI den UFOs auf der Spur

Der Astrophysiker Avi Loeb will UFO-Sichtungen und interstellare Objekte mit der Hilfe privater Investoren und von Künstlicher Intelligenz untersuchen.

Im Juni 2020 bestätigte das amerikanische Verteidigungsministerium, dass eine Task Force innerhalb der United States Office of Naval Intelligence seit Jahren Sichtungen sogenannter „Unidentified Aerial Phenomena“ (UAP) sammelt. Die UAP Task Force (UAPTF) ist ein Nachfolger des Advanced Aerospace Threat Identification Program (AATIP), das zwischen 2007 und 2012 UFO-Sichtungen untersuchte.

Die Existenz des AATIP wurde im Dezember 2017 in Artikeln der New York Times, der Washington Post und Politico zusammen mit Videoaufnahmen eines solchen UAPs veröffentlicht. Erste Hinweise auf das Programm gab es bereits im Oktober 2017, als der ehemalige Leiter des AATIP Luis Elizondo mit der Huffington Post über UFOs sprach.

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Die Berichte führten zu einem vermehrten Interesse der Öffentlichkeit außerhalb der UFO-Szene, auch weil UAP-Sichtungen über militärischen Installationen, während militärischen Übungen oder berichtete Beinahezusammenstöße mit Kampfflugzeugen als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA wahrgenommen wurden.

Ende 2020 forderte der Kongressausschuss für Nachrichtendienste des US-Senats dann einen ersten Bericht vom Office of the Director of National Intelligence über nachrichtendienstliche Erkenntnisse über die UAPs. Der Bericht wurde am 25. Juni 2021 veröffentlicht.

143 Unbekannte und kein Alien

Laut dem Bericht konnte die UAPTF zwischen 2004 und 2021 insgesamt 143 untersuchte Flugobjekte nicht identifizieren. 18 dieser Objekte zeigten laut Bericht ungewöhnliche Bewegungsmuster oder Flugcharakteristiken: Nahezu sofortige Beschleunigung auf hohe Geschwindigkeiten und das mühelose Bewegen aus der Atmosphäre in den Luftraum und unter die Wasseroberfläche sind laut Elizondo Teil der UAP-Berichte und ein Grund für die Einstufung als mögliche Gefahr für die nationale Sicherheit.

Diese Beobachtungen könnten laut des Berichts jedoch auch durch Sensorfehler, Spoofing-Attacken oder menschliche Fehler ausgelöst worden sein. US-Geheimprojekte oder einen bisher nicht aufgedeckten Technologiesprung von China oder Russland seien eher auszuschließen.

Nun will die UAPTF mehr Daten sammeln. Künstliche Intelligenz soll helfen, Muster in den Daten und so eine mögliche Erklärung für die Phänomene zu finden. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch China: Laut eines Berichts der South China Morning Post untersucht die chinesische Armee „Unidentified Air Conditions“ mit KI. Beteiligte Forscher halten einen außerirdischen Ursprung für die Sichtungen für unwahrscheinlich, berichtet die SCMP.

Außerirdische Welten, ‚Oumuamua und UAPs

2017 gab es neben den Berichten über die UFO-Suche des Pentagons noch eine weitere große Erzählung über Weltallbesucher: Das erste Mal seit der Beobachtung unseres Sonnensystems entdeckten Forscher ein Objekt von außerhalb unseres Sonnensystems, das an Sonne und Erde vorbeiflog. Das weniger als einen Kilometer lange und wohl zigarrenförmige Objekt namens ‚Oumuamua sorgte schnell für wilde Spekulationen über interstellare Reisende.

Während die meisten Wissenschaftler ‚Oumuamua für einen Kometen oder Asteroiden halten, spekulierte der theoretische Astrophysiker Avi Loeb aufgrund der ungewöhnlichen Eigenschaften und dem fehlenden Schweif bei gleichzeitiger Beschleunigung durch den Strahlungsdruck des Sonnenlichts auf ein interstellares Sonnensegel, eine Antenne oder sogar ein Raumschiff.

Seine stark umstrittene Position legte der an der Harvard Universität tätige Loeb unter anderem in seinem Buch Extraterrestrial und in zahlreichen Podcasts und Pressebeiträgen dar. Immer wieder verkündete er die Bereitschaft, mit ausreichender finanzieller Förderung ausgestattet, nach weiteren interstellaren Objekten wie ‚Oumuamua zu suchen und UAPs öffentlich und außerhalb des Militärs zu erforschen.

Nach einem möglichen Ursprung von UAPs gefragt, spekuliert Loeb in einem Reddit-AMA, es könne sich um KI-gesteuerte Drohnen handeln. In diesem Fall könnten menschliche KI-Systeme helfen, die fremden KI-Systeme zu interpretieren, „genauso, wie wir uns darauf verlassen, dass unsere Kinder uns erklären, was wir im Internet finden, weil sie sich mit dem Computer besser auskennen als wir“, so Loeb.

Galileo Project soll nach extraterrestrischen Objekten suchen

Nach der Veröffentlichung des UAP-Berichts des Pentagons bestärkte Loeb seine Forderung nach einer wissenschaftliche Initiative zur Erforschung von UAPs. Ein öffentliches Netz von Teleskopen könne unter anderem das erste Megapixel-Foto eines UAPs schießen.

Ein solches Foto läge im Interesse der Öffentlichkeit und sei in der Herleitung deutlich günstiger als andere Forschungsprojekte, etwa die Suche nach dunkler Materie. Fotos der Oberfläche eines UAPs könnten es etwa erlauben, zu unterscheiden, ob es „Made in China“ oder „Made on Exo-Planet X“ sei, so Loeb.

Nun setzt Loeb mit dem „Galileo Project“ sein Vorhaben in die Tat um. Es ist mit vorerst knapp 1,5 Millionen US-Dollar von privaten Spendern finanziert und hat drei Ziele:

  1. Es soll hochauflösende Multi-Detektor-UAP-Bilder aufzeichnen und die Natur der UAPs aufdecken.
  2. Es soll die Suche nach und eingehende Erforschung von ‚Oumuamua-ähnlichen interstellaren Objekten voranbringen.
  3. Ebenso soll es die Suche nach potenziellen Satelliten außerirdischer Zivilisationen um die Erde fördern.

„Nach der kürzlichen Veröffentlichung des ODNI-Berichts über UAPs muss die wissenschaftliche Gemeinschaft entschlossen systematisch, wissenschaftlich und transparent nach möglichen Beweisen für außerirdische technologische Artefakte zu suchen. Die Auswirkungen einer Entdeckung von außerirdischer Technologie auf die Wissenschaft, unsere Technologie und unser gesamtes Weltbild wären enorm“, so Loeb.

Langfristig soll weitere Finanzierung sichergestellt werden. Loeb selbst leitet das Projekt, an dem elf weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt sind. Im wissenschaftlichen Beirat des Projekts sitzen Professoren der Physik und Astrophysik. Auch der bekannte Mathematiker Stephen Wolfram, Erfinder von Mathematica und Wolfram Alpha, ist Mitglied des Beirats.

Galileo Project: Aliens mit KI aufspüren

Für die UAP- und Satelliten-Suche setzt Loeb auf Künstliche Intelligenz: Ein Teleskop mit einem Meter Länge für circa eine halbe Million US-Dollar könne auf einem Objekt in einem Kilometer Entfernung Details von bis zu einem Millimeter erkennen, so Loeb.

Sofern es die Finanzierung in Zukunft zulässt, will er Dutzende solcher Teleskope an strategischen Positionen stationieren. Bei der Alien-Suche sollen zusätzlich Radar- und Infrarotsensoren helfen. Ab 2023 sei die Suche nach Satelliten unter einem Meter Länge und Breite mit dem Vera C. Rubin Observatorium denkbar.

KI soll die von den Teleskopen und Sensoren gesammelten Daten scannen: Bildanalyse könne etwa Vögel oder Ballons von potenziellen technologischen Objekten irdischen oder anderen Ursprungs wie Drohnen auseinanderhalten.

Das Galileo Project will keine alten Daten analysieren und grenzt sich so von anderen UFO-Forschungsprojekten ab. Im Fokus stehe die Sammlung und Analyse eigener Daten. Auch auf militärische Daten will Loeb nicht zugreifen, um im Falle von Entdeckungen nicht an Verschwiegenheitsklauseln gebunden zu sein.

Stattdessen soll das Galileo Project eine nüchterne wissenschaftliche Suche nach außerirdischen Objekten starten und Projekte wie SETI ergänzen. „Wir warten ab, was wir finden und dann schauen wir uns die Hinweise an“, sagt Loeb. Vielleicht findet Künstliche Intelligenz ja ihre außerirdischen Geschwister.

Via: Galileo Project Announcement | Titelbild: US Navy

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