Koreanische Forscher demonstrieren mit einer neuen Bild-KI für Fotoretusche, wie stark Künstliche Intelligenz die Arbeit von Gestaltern verändern wird.

Die beiden Forscher Jo Youngjoo und Park Jongyoul vom koreanischen Forschungsinstitut “Electronics and Telecommunications” (ETRI) stellen eine neue Bild-KI vor, mit der Gesichter in Windeseile selbst von blutigen Laien grundlegend verändert werden können:

Die Sonnenbrille verschwindet aus dem Gesicht, die Stupsnase wird etwas breiter und flacher, aus einer traurigen Miene wird ein neugieriger Blick, aus braunen werden blaue Augen.

Augenfarbe verändern - kinderleicht. Bild: ETRI

Augenfarbe verändern – kinderleicht. Bild: ETRI

Sogar Accessoires wie Schmuckstücke können verändert oder hinzugefügt werden.

Falls man sich nachträglich betrachtet doch besser für andere Ohrringe entschieden hätten. Bild:

Falls man sich nachträglich betrachtet doch besser für andere Ohrringe entschieden hätte – kein Problem. Bild: ETRI

All das ist verpackt in eine einfach zu bedienende Software, die von jedermann benutzt werden kann, dem in Paint ein Strich gelingt.

Trainiert wurde die KI mit einem Datensatz bestehend aus 29.000 Bildern berühmter Personen. Für die Bildgenerierung kommt das bewährte GAN-Verfahren zum Einsatz, bei dem ein KI-Agent ein Bild erzeugt und ein zweiter dessen Überzeugungskraft prüft und Rückmeldung zu Verbesserungen gibt. Die Ergebnisse sind visuell mitunter durchaus realistisch, bei Frisuren hat die KI allerdings noch arge Probleme.

Haare klappen noch nicht so gut, aber Perücken dafür hervorragend. Bild: ETRI

Haare klappen noch nicht so gut, aber Perücken dafür hervorragend. Bild: ETRI

Ähnlich wie die Bild-KI Pix2pix kann das GAN-Netz der Koreaner Fotos aus gezeichneten Vorlagen erstellen – diese taugen derzeit allerdings nur als Karikaturen.

Details zur technischen Umsetzung gibt es bei Arxiv, den Quellcode bei Github.

Hier ist noch Luft nach oben. Wenn man die rasante Entwicklung von Bild-KIs der letzten zwei bis drei Jahre betrachtet, dürfte das nicht lange so bleiben. Bild: ETRI

Fotos aus Zeichnungen, das klappt noch nicht so gut. Wenn man die rasante Entwicklung von Bild-KIs der letzten zwei bis drei Jahre betrachtet, dürfte das nicht lange so bleiben. Bild: ETRI

Absehbar ist jedenfalls, dass KI die Arbeit von Gestaltern grundlegend verändern wird. Viele einfache Arbeiten werden (teil)automatisiert und sind zukünftig deutlich schneller zu erledigen.

Das schafft Freiraum für mehr Kreativität – bedeutet umgekehrt jedoch insgesamt weniger Arbeitsvolumen. Das wiederum dürfte sich auf den Arbeitsmarkt auswirken.

Hinzu kommt, dass KI durchaus bei kreativen Prozessen unterstützen kann, indem sie von einer zentralen Idee ausgehend in kürzester Zeit viele Vorschläge und Variationen erstellt, beispielsweise bei der Gestaltung von Logos oder Kleidung.

Nvidia stellte im April 2018 eine ähnliche Software vor, die auch Landschaftsaufnahmen manipuliert. Facebook zeigte eine Bild-KI, die geschlossene Augen auf Porträtfotos automatisch öffnet.

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