Ohne Mensch funktioniert die Maschine nicht. Für Facebook erwächst daraus der nächste mögliche Datenschutzskandal.

Wenige Tage ist es her, da versprach Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf der eigenen Entwicklerkonferenz F8 besseren Datenschutz. Mehr sogar: Die Zukunft des eigenen Konzerns, der bislang darauf erpicht war, die Privatsphäre der Menschen so gut wie möglich in bare Münze umzusetzen, soll nun eben diese als oberstes Gut bewahren.

Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, zeigt ein aktueller Bericht von Reuters: So wie viele große Internet-Konzerne setzt Facebook auf günstige Datenarbeiter in Indien.

Sie kategorisieren Daten, damit diese anschließend für das Training einer Künstlichen Intelligenz verwertbar sind. Ist zum Beispiel ein Auto auf einem Bild zu sehen, dann markieren die Arbeiter das Auto als eben solches. Die KI weiß dann, dass das Auto wirklich ein Auto ist. Und so weiter. Die so trainierten KI-Systeme sollen zum Beispiel unerwünschte Bilder besser erkennen oder bei der Moderation unterstützen.

Die Besonderheit in Facebooks Fall ist, dass die Arbeiter nicht irgendwelche generischen Bilddatenbanken durchwühlen. Stattdessen verwertet Facebook – so wie Amazon für Alexa – Nutzerinhalte als KI-Trainingsmaterial.

Datenarbeiter sehen Posts für Freunde und Familie

Dass private Daten fürs KI-Training verwendet werden, daraus macht Facebook kein Geheimnis: Der einfache Zugang zu riesigen Datenmengen ist ein krasser Wettbewerbsvorteil im KI-Wettrennen. Das Unternehmen rühmte sich in der Vergangenheit damit, dass Milliarden Aufnahmen der eigenen Bildplattform Instagram fürs KI-Training verwendet werden.

Facebooks spezieller Trainingsansatz führt allerdings auch dazu, dass Datenarbeiter private Postings kategorisieren, die sie – wenn es nach den Erstellern geht – eigentlich gar nicht sehen sollen, berichtet Reuters. Gemeint sind zum Beispiel Bilder, die bei Facebook nur mit Freunden oder der Familie geteilt werden. Schließlich ist auch das eine wertvolle Metainformation. Mitunter können diese Beiträge Nutzernamen oder andere private Daten enthalten.

Ein KI-Kategorisierungsbüro der Outsourcing-Firma WiPro mit rund 260 Arbeitern soll rund 700 dieser Beiträge pro Tag prüfen und unter anderem in den Kategorien Inhalt (bspw. Selfie), Anlass (bspw. Geburtstag) und Absicht (bspw. Humor) bewerten. Jeder Inhalt wird von je zwei Angestellten geprüft.

Weltweit, das bestätigt Facebook gegenüber Reuters, laufen derzeit rund 200 dieser Kategorisierungsprojekte. Tausende Personen sind involviert.

Laut Facebook ist die Datenkategorisierung vom eigenen Rechts- und Datenschutzteam geprüft und freigegeben. Ein kürzlich eingeführtes Bewertungssystem stelle zudem sicher, “dass die Erwartungen an den Datenschutz eingehalten werden und die vorgegebenen Parameter wie erwartet funktionieren”.

Quelle: Reuters, Titelbild: Facebook

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