Facebook: Hirn-Interfaces „in 3 bis 5 Jahren“ marktreif

Facebook: Hirn-Interfaces „in 3 bis 5 Jahren“ marktreif

Facebook arbeitet an den Interfaces der Zukunft, darunter auch solche, die Hirnsignale nutzen. Entsprechende Produkte seien gar nicht mehr so weit entfernt, sagt der Leiter von Facebooks Zukunftslabor.

In 2019 kaufte Facebook das Start-up CTRL-Labs. Es entwickelte ein Armband, das von Hand- und Fingerbewegungen ausgelöste elektrische Hirnsignale erfasst. Eine Künstliche Intelligenz analysiert Muster in den Signalen und übersetzt sie mit etwas Training in Computerbefehle. Das Ergebnis wäre eine Art Gedankensteuerung.

Die Technologie hat reichlich Potenzial gerade im Hinblick auf neue Technologien wie Augmented und Virtual Reality, für die klassische Eingabemethoden wie Maus und Tastatur ausgedient haben. Ersetzt werden sollen sie durch möglichst natürliche, körpernahe Interfaces, zu denen auch Blickerfassung, Sprachsteuerung und Handtracking gehören.

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Eine neuronale Computerrevolution?

Laut Andrew Bosworth sind neuronale Interfaces gar nicht mehr so weit entfernt. Bosworth ist Leiter der Facebook Reality Labs, für die tausende Facebook-Angestellte an neuen Computertechnologien arbeiten. „Wir werden frühe Formen neuronaler Interfaces, Formen mit tiefer Bitrate, früher erleben, als die Leute denken“, sagt Bosworth gegenüber CNET. In drei bis fünf Jahren könnt es so weit sein.

„Am Anfang wird es völlig konventionell und gimmicky erscheinen“, meint Bosworth, aber mit fortschreitender Entwicklung tiefgreifender werden. „In fünf bis zehn Jahren werden wir robustere Formen der Technologie erleben, die umwälzend sein werden“, prognostiziert Bosworth.

Diese neuronalen Interfaces würden sich immer noch innerhalb existierender Paradigmen bewegen und beispielsweise erlauben, ein Touchpad mit Gedankenkraft zu bedienen. Mit entsprechenden Implantaten  ist das bereits heute möglich, aber die eigenen sich nicht als Endverbraucherprodukt.

„Und irgendwann kommen wir an einen Punkt, vielleicht innerhalb der nächsten 20 Jahren, wo Absichten nicht mehr nur in Bewegungen übersetzt, sondern als abstrakte Ziele interpretiert werden können.“ Diese Konvergenz von KI und neuronalen Interfaces bezeichnet Bosworth als „aufregend“.

Facebook-Hirnchips sind ausgeschlossen

In medizinischen Anwendungsfeldern existieren die von Bosworth beschriebenen Steuerungsmöglichkeiten per Gehirn bereits, beispielsweise für gelähmte Menschen. Allerdings muss hierfür ein Chip direkt im Gehirn implantiert werden, eine Methode, die Facebook-Chef Mark Zuckerberg für sein Unternehmen explizit ausschließt.

„‚Facebook möchte Gehirnchirurgie durchführen‘, da will ich nicht bei den Kongressanhörungen dabei sein”, witzelte Zuckerberg. Stattdessen sollen bei AR und VR die Hand, die Stimme und „ein kleines bisschen Eingabe direkt vom Gehirn“ genutzt werden. Mit letzterem könnte die CTRL-Labs-Technologie gemeint sein.

Ein Armband hätte den Vorteil, dass es elektrische Hirnsignale ohne invasiven Eingriff auslesen und interpretieren kann. Fraglich ist, ob fortschrittlichere Formen neuronaler Interfaces, wie sie Bosworth vorschweben, ebenfalls ohne Operation möglich sein werden.

An Hirnchips wird seit Jahrzehnten geforscht. Die Entwicklung beschleunigen will Elon Musks Start-up Neuralink. Es baute eine chirurgische Maschine, die Hirnchips implantieren kann. Ein Durchbruch ist Neuralink noch nicht gelungen, dafür verbessert das Start-up bestehende Technik und treibt die Forschung voran, in der Hoffnung auf technologische Sprünge. Erste Gehirnchip-Tests an Menschen stehen laut Musk schon bald an.

Quelle: CNET, Titelbild: Ctrl-Labs

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