Schon im kommenden Jahr soll Neuralinks Hirnimplantat für medizinische Zwecke an den Start gehen. Zukünftig soll ein Spezialroboter die Implantation vornehmen.

Elon Musk sprach bei der ersten öffentlichen Veranstaltung seines 2017 gegründeten Hirnchip-Startups “Neuralink” persönlich vor. Er präsentierte die einzelnen Bauteile, aus denen das Startup irgendwann ein vollwertiges Hirn-Interface konstruieren will.

Das Fernziel von Neuralink lautet: Menschen sollen Informationen so schnell ausgeben und verarbeiten können wie Maschinen. Diese Maschinisierung des menschlichen Gehirns ist für Musk notwendig, damit die Menschheit nicht von Künstlicher Intelligenz abgehängt wird.

“Das ist keine Pflicht, man kann sich aussuchen, ob man das will”, sagt Musk. Dennoch hält der Tech-Milliardär diese Technologie für “sehr wichtig” für die menschliche Zivilisation. “Wir sollten die Option haben, mit KI zu verschmelzen.”

Bis diese Zukunftsvision Realität wird, soll laut Musk “noch viel Zeit” vergehen. Bis dahin soll Neuralinks Hirntechnologie erkrankten Menschen helfen, zum Beispiel um Prothesen besser zu steuern und sensorische Defizite beim Hören und Sehen auszugleichen. “Wir können Krankheiten und Verletzungen mit einem Chip heilen”, sagt Musk.

Weshalb Neuralink existiert. Bild: Neuralink

Weshalb Neuralink existiert. Bild: Neuralink

Ultradünne Übertragungskabel

Musk enthüllte das erste potenzielle Neuralink-Produkt: Ein Hirnchip-System, das im Vergleich zu aktuellen Lösungen so implantiert werden kann, dass es das umliegende Gewebe weniger beeinträchtigt und die OP deutlich vereinfacht.

Neuralinks Spezialfasern für die Gehirndatenübertragung. Bild: Neuralink

Neuralinks Spezialfasern für die Gehirndatenübertragung. Bild: Neuralink

Neuralink spricht auch von einer Faser, die etwa ein Drittel des Durchmessers eines menschlichen Haares hat. Mehr als 3.000 Elektroden können auf bis zu 96 dieser Fasern verteilt werden. Sie messen elektrische Potenziale im Gehirn, leiten sie weiter und schreiben sie theoretisch auch.

Eine Implantationsmaschine

Für die Implantation der Fasern arbeitet Neuralink eigens an einem Roboter. Oder, damit es unheimlicher klingt: an einer automatischen Implantationsmaschine.

Sie kann bis zu sechs Fasern pro Minute ins Gehirn schieben mit je 32 Elektroden daran. Blutgefäße soll sie sehen und umgehen können und so Entzündungen vermeiden. Bei 19 Tierversuchen implantierte die Maschine rund 16 Fasern erfolgreich.

Zukünftige Versionen der Maschine könnten mit Laser statt mit einem Bohrer arbeiten und das Prozedere so leicht machen wie eine Augen-OP.

Neuralinks Implantationsmaschine ist eine Mischung aus Säge und Mikroskop. Bild: Neuralink

Neuralinks Implantationsmaschine ist eine Mischung aus Bohrer und Mikroskop. Bild: Neuralink

Ein Verstärkerchip

Ist die Faser erst einmal im Gehirn implantiert, überträgt sie die Hirndaten im Zusammenspiel mit einem ebenfalls von Neuralink entwickelten Verarbeitungsprozessor, der die Signale säubert und verstärkt.

Der Chip überträgt Daten aktuell nur via USB-C-Kabel, doch das soll sich ändern: Der für Menschen vorgesehene “N1 Sensor” soll drahtlos funktionieren, auch wenn dafür die Bandbreite im Vergleich zur Kabelversion etwas eingeschränkt werden muss. Die kabelgebundene Version soll rund die zehnfache Datenmenge aktueller Hirncips übertragen können.

Der N1-Sensor soll im Unterschied zum aktuellen Interface drahtlos funktionieren. Bild: Neuralink

Der N1-Prozessor fürs menschliche Gehirn soll im Unterschied zum aktuellen Interface, das bei Tierversuchen verwendet wird, drahtlos funktionieren. Bild: Neuralink

Insgesamt vier solcher Chips sollen bei ersten Versuchen ins Gehirn implantiert werden. Sie verbinden sich über die zuvor beschriebenen Fasern mit einer externen Spule hinter dem Ohr, die eine Batterie enthält.

Via Smartphone-App haben Implantatträger Zugriff auf ihre Gehirndaten. Mit der App können sie zum Beispiel lernen, per Gedankensteuerung ein Smartphone oder eine Computermaus zu kontrollieren. Im nächsten Jahr sollen erste Tests bei Menschen starten.

Die Smartphone-App bietet Trainingsprogramme, mit denen man lernt, seine Hirnsignale gezielt einzusetzen. Bild: Neuralink

Die Smartphone-App bietet Trainingsprogramme, mit denen man lernt, seine Hirnsignale gezielt einzusetzen. Bild: Neuralink

Dass Musk und Kolleg*innen schon im frühen Entwicklungsstadium an die Öffentlichkeit treten, hat pragmatische Gründe: Rund 90 Angestellte arbeiten derzeit an dem fortschrittlichen Gehirn-Maschine-Interface, doch es sollen deutlich mehr werden. Das funktioniert am besten durch Bekanntheit.

Quellen: Neuralink (Video), Paper, The Verge, Techcrunch, The New York Times, Bloomberg; Titelbild: Neuralink

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