Deepminds neue KI Pythia hilft Historikern, antike Texte auf Steintafeln zu entziffern.

Historiker haben ein Problem: Ihre Forschungssubjekte sind meist schon lange tot, Gesellschaftsformen schon lange zerbrochen und Weltreiche zerfallen. Das liegt natürlich an ihrem Forschungsgebiet, dem Vergangenem – aber diese Erkenntnis ändert nichts am Problem.

Glücklicherweise hat der Mensch den Text erfunden. Allerhand wurde aufgeschrieben, auf Haut, Stein und Papier und auf vielen anderen Materialien. Von besonders alten Kulturen sind meist nur noch Inschriften auf Stein übrig. Alles andere ist zerfallen. Auch an diesen Steintafeln nagt der Zahn der Zeit.

Ganz schön kaputt: Ein Dekret der Athener Versammlung zur Verwaltung der Akropolis. Bild: CC BY-SA 3.0, WikiMedia

Ganz schön kaputt: Ein Dekret der Athener Versammlung zur Verwaltung der Akropolis. Bild: CC BY-SA 3.0, WikiMedia

Die sogenannte Epigraphik, oder Inschriftenkunde, beschäftigt sich mit der Entzifferung solcher antiken Quellen, bei denen einzelne Worte oder ganze Sätze fehlen.

Die Spezialisten loten verschiedene mögliche Lösungen zur Vervollständigung der Texte aus. Dafür nutzen sie ihr Wissen über Grammatik, Linguistik, Gestaltung und Form der Tafel, ähnliche Texte und historischen Kontext. Epigraphik ist die Historiker-Version des Galgenmännchen-Spiels, wenn man so will.

KI-Epigraph soll Historikern helfen

Deepmind stellt nun eine KI vor, die Historikern hilft, die komplexe Textentschlüsselung besser zu meistern. Sie heißt “Pythia”, benannt nach dem Orakel von Delphi.

Es ist die erste KI, die altgriechische Texte wiederherstellen und den Historikern eine Reihe von möglichen Übersetzungen liefern kann, sortiert nach Wahrscheinlichkeit.

Deepminds KI verarbeitet die Phrase "Nichts im Übermaß", die in Apollos Tempel in Delphi gemeißelt steht. Die KI erkennt, dass zwei Buchstaben fehlen und so ein Wort unvollständig ist. Sie vervollständigt das Wort richtig. Bild: Deepmind.

Deepminds Phythia-KI verarbeitet die Phrase “Nichts im Übermaß”, die in Apollos Tempel in Delphi gemeißelt steht. Die KI erkennt, dass zwei Buchstaben fehlen und das Wort daher unvollständig ist. Sie vervollständigt das Wort richtig. Bild: Deepmind.

Trainiert wurde die KI mit einem umfassenden digitalen Korpus antiker griechischer Inschriften. Sie lernte so, einzelne fehlende Buchstaben oder ganze Wörter beschädigter Texte zu vervollständigen. Spezialisiert ist sie auf Schriften, die zwischen dem siebten Jahrhundert v. Chr. und dem fünften Jahrhundert n. Chr. entstanden.

In einem Test mit angehenden Historikern lag die KI mit ihren Übersetzungen in etwa 70 Prozent der Fälle richtig – die menschlichen Wettbewerber schafften nur 43 Prozent. Wie aussagekräftig dieser Test ist, wird sich zeigen müssen, doch alleine soll die KI ihre Aufgaben ohnehin nicht erledigen. Pythia soll die aufwendige und kleinteilige Arbeit der Epigraphen vereinfachen.

Deepminds Pythia ist in Kooperation mit der Universität Oxford entstanden und ist als Open-Source-Code bei GitHub verfügbar.

Quelle: Deepmind

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