Deepfake-Queen macht Witze über Prinz Harry und Klopapier

Deepfake-Queen macht Witze über Prinz Harry und Klopapier

Der britische TV-Sender Channel 4 beweist zu Weihnachten reichlich schwarzen Deepfake-Humor.

Channel 4 bietet seit rund 30 Jahren eine alternative Weihnachtsansprache zur offiziellen Variante der Queen bei der BBC an. Normalerweise setzt Channel 4 dafür bekannte Köpfe vor die Kamera, die sich satirisch oder ernsthaft mit Themen befassen. Ein prominenter Gast war beispielsweise der US-Whistleblower Edward Snowden.

In diesem Jahr jedoch setzt auch Channel 4 die Queen selbst vor die Kamera – als Deepfake-Version: „Bei der BBC durfte ich nie frei vom Herzen sagen, was ich wollte. Ich danke Channel 4, dass ich in diesem Jahr endlich sagen kann, was ich will, ohne dass mir jemand Worte in den Mund legt“, sagt die Deepfake-Queen zur Begrüßung.

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Dann ruft sie zu einem Tanzwettbewerb bei TikTok auf, schwingt sich sogar selbst zu einer Tanzeinlage auf den Schreibtisch, kommentiert die Berichte über Prinz Andrew und die Eppstein-Affäre oder spricht über die Beziehung zu Prinz Harry und Herzogin Meghan: „Es gibt wenige Dinge, die schlimmer sind, als wenn dir jemand sagt, dass er lieber mit Kanadiern zusammen ist.“

Deepfake-Weihnachtsbotschaft als Fake-Media-Warnung

Am Ende des Videos löst Channel 4 die Deepfake-Fälschung auf: Die Fake-Queen wird ausgeblendet, Stephenson erscheint im Bild sowie der Greenscreen, über den die Palastumgebung in das Video integriert wurde.

„Deepfake-Technologie ist eine neue Grenze im Kampf zwischen Fake-News und Wahrheit“, sagt Ian Katz, Programmdirektor bei Channel 4. Die Fake-Weihnachtsbotschaft der Queen sei eine „wirkungsvolle Erinnerung“ daran, dass wir „unseren eigenen Augen nicht mehr trauen dürfen“.

Die gesamte Deepfake-Queen-Ansprache seht ihr im folgenden Video.

Eingespielt und eingesprochen wurde die Fake-Queen von der Schauspielerin Debra Stephenson. Ihr Gesicht wurde dann anschließend mit Deepfake-Technik gegen das der Queen ausgetauscht.

„Ich bin sehr fasziniert von der Deepfake-Technologie. Jahrelang habe ich Menschen studiert, um sie für das Fernsehen zu verkörpern, aber jetzt werde ich zu ihnen“, sagt Stephenson. „Als Schauspielerin ist das aufregend, aber auch beängstigend, wenn man bedenkt, wie das in anderen Kontexten genutzt werden könnte.“

Neue Deepfake-Doku startet nächste Woche

Channel 4 strahlt ab dem 28. Dezember die Deepfake-Dokumentation „Deepfakes: Can You Believe Your Eyes“ aus, die im Detail auf die Risiken der neuen KI-Fake-Technik eingeht. Laut des auf Deepfake-Erkennung spezialisierten Start-Ups Sensity sind allein in den letzten zwölf Monaten 60.000 neue Deepfake-Videos im Internet aufgetaucht. Im Vergleich zum Vorjahr soll das Wachstum bei 250 Prozent liegen.

Areeq Chowdhury, Technikberater bei der britischen Wissenschaftsorganisation The Royal Society, sieht in politischen Deepfakes zwar ein Risiko, insbesondere wenn die Herstellung immer einfacher würde, aber keine unmittelbare Bedrohung.

Das Hauptproblem sei, so Chowdhury, die Verwendung von Deepfakes für nicht-einvernehmliche Pornografie. Einer aktuellen Studie von Sensity zufolge hat sich die Anzahl pornographischer Deepfakes bei Online-Plattformen innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht.

Quellen: Channel 4, The Guardian

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