Update vom 22. April 2019:

Die Spiele sind beendet: OpenAIs Dota-KI “Five” konnte 99,4 Prozent aller Partien für sich entscheiden. Das entspricht 7.215 Siegen bei 42 Niederlagen.

Der Fachblog “Dotabuff” sieht in den Siegen von Five mehr als eine mechanische Überlegenheit des Computers – also mehr als schnellere und genauere Klicks.

Diese spielen laut einhelliger Meinung aus der Dota-Gemeinschaft zwar eine Rolle, letztlich, heißt es bei Dotabuff, treffe die KI jedoch auch bei strategischen Entscheidungen die bessere Wahl: mit einem Erfahrungsvorsprung von circa 45.000 Trainingsjahren.

“Es leuchtet ein, dass Spieler die eigene Unterlegenheit mit mechanischen Vorteilen der KI begründen. Es ist ok, langsamer als eine Maschine zu sein. Anderenfalls müssten wir zugeben, dass diese Maschinen uns auch in Dota mit Eigenschaften übertreffen, die von Natur aus menschlich sind: Einsicht, Intuition und Kreativität.”

OpenAI-Mitgründer Greg Brockman freut sich derweil über den Triumph seiner KI – und visioniert, wie die auf Teamplay optimierte Künstliche Intelligenz Menschen im Alltag helfen könnte.

Ursprünglicher Artikel vom 20. April 2019:

Ganz Dota 2 ist von Künstlicher Intelligenz besetzt. Ganz Dota 2? Nein. Eine kleine Gemeinschaft unbeugsamer Hardcore-Gamer hört nicht auf, der Maschine Widerstand zu leisten.

Die Spiele sind eröffnet: Über das Osterwochenende darf die die ganze Welt gegen OpenAIs Künstliche Intelligenz “Five” im Strategiespiel “Dota 2” antreten. Jeweils fünf Spieler pro Team messen sich mit fünf KI-Agenten auf der Gegenseite. Hier gibt’s den Zugang.

Interessant ist: Gamer reagieren emotional auf die Herausforderung. Im einschlägigen Reddit-Forum, wo sonst über die Strategien der besten menschlichen Teams gefachsimpelt wird, dominiert die Five-KI die Gespräche. Schon vor der Eröffnung der Arena registrierten sich 18.000 Spieler auf OpenAIs Servern.

KI-Dominanz mit Lichtblicken

Die ersten Resultate sind jedoch niederschmetternd – sofern man Anhänger der menschlichen Spezies ist. Mehr als 500 Spiele konnte Five in Reihe gewinnen.

Die Gamer reiben sich an der maschinellen Überlegenheit, fühlen sich im Kollektiv ausgeliefert und wollen zurückschlagen, sich beweisen. Das ist mehr als nur ein Spiel. Es geht um die Ehre. Sie suchen nach Fehlern im Computersystem. Ein Fingerzeig, wie Menschen zukünftig auf überlegene KI reagieren könnten?

Und dann passiert er doch, nach fast 600 Spielen: der erste Erfolg eines menschlichen Teams. Profispieler aus Thailand zwingen die KI in die Knie. Bei Reddit wird das als kollektiver Triumph verbucht.

Für OpenAI nur ein Zeitvertreib

Übrigens: OpenAI verwendet die Arenaspiele gegen Menschen nicht als Lernmaterial für Five, um die KI noch besser zu machen.

Die geringen Unterschiede zu dem im Selbsttraining generierten Modell seien das technische Risiko nicht wert, erklärt ein OpenAI-Entwickler.

Im Klartext heißt das: Menschliches Know-how ist für die Maschine nicht relevant. Sie brachte sich das Spiel in den vergangenen zehn Monaten eigenständig besser bei.

Rechnet man die durchlaufenen Spielsimulationen in Menschenjahre um, hat Five rund 45.000 Jahre Spielzeit auf dem Buckel. Für Menschen ist das ein unmöglich zu erreichender Erfahrungsschatz.

Dass OpenAI menschliche Spieltaktik nicht weiter berücksichtigt, ist nachvollziehbar: Derzeit hat Five 2.802 Spiele gewonnen – und 17 verloren. Das entspricht einer Triumphrate von 99,4 Prozent. 2.734 Spiele waren notwendig, damit ein menschliches Team drei Spiele in Folge gewinnen konnte.

Kein ganz schlechtes Ergebnis für die KI, wenn man bedenkt, dass es vor nicht allzu langer Zeit noch als unmöglich galt, dass eine Maschine die Komplexität von Dota 2 besser beherrscht als Menschen.

Für die Gamer aus Fleisch und Blut hat OpenAI-Mitgründer Greg Brockman dennoch anerkennende – oder tröstende – Worte: Dass einzelnen menschlichen Teams ein Sieg gelang, sei ein Zeichen für die Zähigkeit und Geschicklichkeit der Menschheit.

In seinem Lob schwingt jedoch der Stolz eines Schöpfers mit, der weiß, dass seine Schöpfung noch besser sein könnte:

Menschen würden gewinnen, indem sie jede einzelne Schwäche von Five ausnutzen. Einige dieser Schwächen seien gescriptet statt gelernt – also letztlich ein menschlicher Fehler der Entwickler und nicht des KI-Lernsystems.

Die laut Brockman entscheidende menschliche Siegesstrategie: Five niemals in einen fairen Kampf verwickeln.

Quellen: Twitter, Reddit, Motherboard, Titelbild: OpenAI

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