Bruce Willis: Deepfake schauspielert in russischem Werbespot

Bruce Willis: Deepfake schauspielert in russischem Werbespot

„Die einfachen Jobs erledigt mein Deepfake, Schweinebacke.“ Bruce Willis dreht einen Werbespot für den russischen Mobilfunkanbieter Megafon – und dann auch wieder nicht.

Bekannt wurde Bruce Willis durch Hollywood-Sternstunden wie „Stirb Langsam“ oder „Pulp Fiction“. Aber diese Meisterwerke liegen schon einige Jahre zurück und Werbung ist ein netter Nebenverdienst. Insbesondere dann, wenn Willis dank Deepfake-Technologie nicht einmal selbst für den Dreh anrücken muss.

Bruce Willis schickt seinen Deepfake nach Russland

Dem russischen Mobilfunkanbieter MegaFon stellte Bruce Willis jetzt seinen Deepfake, also eine mit KI-Technik angefertigte digitale Kopie seines Gesichts, für einen Werbespot zur Verfügung. MegaFon bringt Bruce Willis so in eine filmisch inszenierte, mehrteilige Werbekampagne mit zwei Geheimagenten in der Hauptrolle.

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Eine Rolle übernimmt Deepfake-Willis, sein Kollege vor Ort ist der russische Komiker Azamat Musagaliev, der am Set mit einem russischen Schauspieler drehte. Dessen Gesicht wurde anschließend durch Willis‘ Deepfake-Gesicht ersetzt.

Erstellt wurde der Deepfake anhand von Originalaufnahmen von John McClane aus den „Stirb Langsam“-Filmen aus den 80er- und 90er-Jahren. Entsprechend erscheint ein deutlich jüngeres Gesicht von Bruce Willis im Spot, der heute 66 Jahre alt ist. Bruce Willis musste also wirklich keinen Finger krumm machen.

Rund zwei Millionen US-Dollar hat Willis laut der russischen Webseite Sostav für den Deepfake-Deal erhalten. Leicht verdientes Geld für den Schauspieler und womöglich ein Geschäft mit Modellcharakter für Nachahmer.

Deepfake-Darsteller: Ein neues Geschäftsmodell für die Filmbranche – oder ein Risiko für Schauspieler?

Denn Schauspieler, die ihre Deepfakes lizenzieren, anstatt selbst anzutreten, könnten deutlich mehr Produktionen mit viel geringerem bis keinem Aufwand umsetzen. Beispielsweise fallen bei internationalen Drehorten die Reisestrapazen weg.

„Durch die Technologie können wir Inhalte schneller und für weniger Geld drehen, als Prominente an den Drehort zu locken“, sagte Vasily Bolshakov, Marketing-Direktor bei MegaFon. Bolshakov betont außerdem, dass die Digitalkopie gerade in Pandemie-Zeiten ein großer Vorteil ist.

Die Möglichkeit zum Deepfake-Auftritt könnte dazu führen, dass bekannte Schauspieler zukünftig kleineren oder lokalen Produktionen ihre günstige Deepfake-Version statt einer teuren Originalrolle anbieten.

Ebenso wäre es denkbar, dass Streaming-Anbieter wie Netflix oder Disney eines Tages „Deepfakes on Demand“ anbieten, bei denen man auf Knopfdruck seine Wunschschauspieler in Filme und Serien versetzt – sogar wenn diese schon verstorben sind. Hört zum Thema gerne in unseren MIXED.de Podcast #169 rein.

Allerdings hätte die schauspielende Zunft auch gute Gründe, sich gegen Deepfake-Produktionen zu stemmen: Denn der Schauspieler leiht zwar sein Gesicht, doch die Qualität der schauspielerischen Darbietung, die Mimik, die Bewegungen, die Interpretation, die Emotion, hängen vom Protagonisten vor Ort ab.

Was bei Deepfakes lizenziert wird, ist also nur die Bekanntheit – nicht das Talent. Das macht Deepfake-Deals risikoreich und damit womöglich unattraktiv.

Bei Prominenten außerhalb der Schauspielbranche dürfte dieser Umstand hingegen nur eine untergeordnete Rolle spielen – im Gegenteil, hier könnte der schauspielerische Auftritt durch einen unbekannten Schauspielprofi vor Ort sogar aufgewertet werden.

Via: Russia Beyond / Input

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