Autonomes Fahren: Das sind die Robo-Autos der Tech-Konzerne

Autonomes Fahren: Das sind die Robo-Autos der Tech-Konzerne

IT- und Internet-Konzerne investieren Milliarden in autonomes Fahren. Doch wer steht hinter der Technologie? Wir stellen die wichtigsten Robo-Autos von Google, Amazon und Co. vor.

Autonomes Fahren gilt neben der Umstellung auf vollständig elektrisch betriebene Motoren als die Zukunft der Automobilbranche. Um Autos selbstständig fahren zu lassen, bedarf es neben der handwerklichen Ingenieurskunst traditioneller Autobauer einer neuen und komplexen Technologie.

Seit Jahren schießen Start-ups aus der Erde, die mit Rechenleistung, Künstlicher Intelligenz (Erklärung) und Sensorik die Mobilität in den großen Städten der Welt verändern wollen. Sie bauen eigene Robo-Autos oder schließen strategische Partnerschaften mit bestehenden Autokonzernen, um deren E-Autos zu selbstständig fahrenden Vehikeln umzurüsten.

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Autonomes Fahren ist aufgrund der Nähe zur Robotik, der intelligenten Datenverarbeitung und benötigten Rechenleistung auch für eine Branche interessant, die mit Autos eigentlich wenig am Hut hat: Die größten Internet- und Tech-Konzerne der Welt investieren Milliarden in Robo-Auto-Firmen oder eigene Technologie für autonomes Fahren.

In unserer alphabetisch geordneten Liste stellen wir die wichtigsten Unternehmen für autonom fahrende Technologien vor sowie ihre Investoren und Partner aus der Tech- und Internet-Branche.

Apollo by Baidu: Chinas Google macht es Open Source

Der chinesische IT-Konzern Baidu betreibt die zweitgrößte Suchmaschine der Welt und ist eines der wichtigsten KI-Unternehmen überhaupt. In einer im Silicon Valley ansässigen KI-Abteilung forscht Baidu seit 2013 unter anderem am autonomen Fahren.

2017 stellte Baidu mit „Apollo“ seine eigene Plattform für autonomes Fahren vor. Es sei das „Android des autonomen Fahrens“, nur noch offener und kraftvoller. Seit dem Launch öffnet Baidu die Plattform schrittweise für Entwickler und stellt Tools, Daten und Open-Source-Codes zur Verfügung.

Die eigene Apollo-Flotte, in der unter anderem Autos des chinesischen Herstellers FAW ausgerüstet werden, hat nach Angaben von Baidu mittlerweile über sieben Millionen Kilometer in 27 Städten zurückgelegt.

Seit Ende letzten Jahres fahren zudem fünf mit Apollo ausgestattete Autos ohne Sicherheitsfahrer durch die Straßen Pekings. In Notfällen wird aus der Ferne über Baidus 5G-Remote-Driving-Service eingegriffen.

Künftig will Baidu eigene E-Autos bauen, statt nur die Fahrzeuge anderer Hersteller mit der Technologie für autonomes Fahren auszurüsten. Baidu geht einen ähnlichen Weg, wie es angeblich Apple und Hyundai machen und schließt sich mit dem Autohersteller Geely zusammen. Beide Unternehmen bestätigten das Joint Venture zwar, Details wolle man erst später bekanntgeben.

Apples Project Titan: (K)ein gut gehütetes Geheimnis

Die Gerüchte um Apples autonom fahrendes Auto halten sich seit 2015. Elon Musk nannte Apples „Project Titan“ 2016 ein offenes Geheimnis, von dem jeder in der Branche wüsste. Das Unternehmen selbst gibt bis heute keine Auskunft darüber. 2017 gab Apple-Chef Tim Cook zumindest zu, dass sein Unternehmen sich mit autonomem Fahren beschäftige.

Anfang dieses Jahres verplapperte sich dann ein Hyundai-Vertreter gegenüber BBC. Apple sei mit mehreren Automobilherstellern in Verhandlungen, einschließlich Hyundai Motors. Es geht um einen Produktionspartner für Fahrzeuge und Batterien.

Gebaut werden soll das autonome Apple Car von Kia, dem Tochterunternehmen von Hyundai. Die Technik stamme allerdings von Apple selbst. Einem Reuters-Bericht zufolge soll Apple ein einzigartiges Monozellen-Design und eine neuartige Lithium-Eisen-Phosphat-Mischung für seine Batterien entwickelt haben. Damit sollen sie sicherer und Leistungsstärker sein als alles andere am Markt.

Apple-Anayst Ming-Chi Kuo glaubt, dass das Apple Car auf Hyundais E-GMP-Plattform basieren wird. Die erreicht nach Angaben des Herstellers eine Laufzeit von 500 Kilometern und verfügt über ein Schnellladesystem. Achtzig Prozent des Akkus sollen innerhalb von achtzehn Minuten geladen werden können.

Die Hyundai E-GMP-Plattform für elektrisch betriebene Fahrzeuge.

Hyundais E-GMP-Plattform könnte die Basis für das kommende Apple Car sein. | Hyundai Motor Group

Schon 2025 sollen laut Kuo erste Apple Cars vom Band rollen. Produziert werden sie angeblich in einem Kia-Werk im US-Bundesstaat Georgia. Gerüchte um Apples autonomes Auto häufen sich in letzter Zeit. Ein offizielles Statement der Beteiligten steht aber nach wie vor aus.

AutoX: Alibaba und die X-Men

Alibaba ist eine der größten IT-Firmengruppen Chinas mit einem Jahresumsatz von etwa 72 Milliarden US-Dollar. Die Alibaba Group umfasst neben verschiedenen B2C- und B2B-Handelsplattformen, das Online-Auktionshaus Taobao und ein eigenes Online-Bezahlsystem namens Alipay.

Dazu kommen der Webservice-Dienst Aliyun OS, der Cloud-Computing-Anbieter Alibaba Cloud und ein Online-Kartendienst namens Amap. Der Konzern ist also bestens für vernetztes Fahren gerüstet. 2018 bestätigte Alibaba erstmals Testfahrten mit autonom fahrenden Autos.

Alibaba ist an mehreren E-Auto-Start-ups beteiligt. Das Vielversprechendste in Sachen autonomes Fahren dürfte allerdings AutoX sein. Gegründet wurde das Unternehmen 2016 von einem Wissenschaftler namens Jianxiong Xiao, der sich selbst Professor X und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen X-Men und X-Women nennt.

Innerhalb von 60 Tagen nach der Gründung gelangen AutoX die ersten erfolgreichen autonomen Fahrten. Es folgten Investments der chinesischen Autobauer SAIC Motor und Dongfeng Motor, dem Grafikkarten-Hersteller Nvidia und vielen weiteren großen Unternehmen.

AutoX beschäftigt Wissenschaftler von amerikanischen Elite-Universitäten wie Stanford, Harvard und dem MIT. 2019 startete AutoX in Kooperation mit dem Logistikunternehmen ZTO Express den ersten autonom fahrenden Lieferservice in Kalifornien. Ein Jahr später stieg Alibaba ein und AutoX erhielt nach Waymo als zweites Unternehmen überhaupt die Genehmigung für einen autonomen Taxiservice in Kalifornien.

Im Dezember 2019 schickte AutoX 25 autonom fahrende Robo-Taxis durch die chinesische Großstadt Shenzhen. Die Flotte führt seitdem Testfahrten ohne Sicherheitsfahrer oder Fernsteuerung durch. 2021 sollen die ersten kommerziellen Passagierfahrten in den größten Städten Chinas folgen. AutoX baut sein eigenes KI-System XCU in Minivans von Fiat Chrysler ein und füttert es mit Bewegungsdaten, die von 360-Grad-Kameras, Radar- und Lidar-Sensoren eingefangen werden.

Intel und Mobileye – Die Kraft der Computer Vision

Mobileye ist eine der ältesten Firmen in dieser Liste. Das israelische Unternehmen wurde 1999 gegründet und ist seitdem auf Fahrassistenzsysteme spezialisiert. Damit rüstet Mobileye laut eigenen Angaben über 60 Millionen Fahrzeuge von 25 der größten Autohersteller der Welt aus, darunter Audi, BMW, Hyundai und Ford.

2017 klopfte der amerikanische Chip-Hersteller Intel an und legte 15,3 Milliarden US-Dollar für die Übernahme Mobileyes auf den Tisch. Mobileyes System für autonomes Fahren basiert hauptsächlich auf Computer-Vision. Bis zu acht Weitwinkelkameras sorgen für eine 360-Grad-Abdeckung der Umgebung, weitere vier 180-Grad-Kameras helfen beim Einparken.

Auf der CES 2021 stellte Mobileye eine neue Lidar-Technologie vor. Das System-on-Chip (SoC) wird von Intel per Silizium-Photonik hergestellt. Dabei werden Mikrobauteile auf Siliziumwafer gedruckt, was die Integration von ganzen Laser- und Sensorsystemen auf nur einem Chip ermöglicht.

Mobileye-CEO Prof. Amnon Shashua stellt den neuen Lidar-Chip vor.

Mobileye zeigt auf der CES 2021 einen neuen Lidar-Chip für autonomes Fahren. | Bild: Mobileye

Der Lidar-SoC soll Geschwindigkeit und Entfernung von Objekten effizienter messen als herkömmliche Systeme. Zudem wird die Gefahrenerkennung auf 200 Meter ausgedehnt statt der sonst üblichen 100 Meter. Bei seinen Robotaxis, die seit 2018 auf Jerusalems Straßen unterwegs sind, verzichtet Mobileye bislang auf weitere Sensoren.

Geht es in die Serienfertigung, werden die Kameras allerdings von Radar- und Lidarsensoren unterstützt. Die eingefangenen Daten werden von zwei EyeQ5-Recheneinheiten im Kofferraum verarbeitet. Im Sommer 2020 erhielt Mobileye die Freigabe vom TÜV Süd, um autonom fahrende Autos auf Autobahnfahrten rund um München zu schicken.

Microsoft bringt die Cloud in GMs Cruise

Das US-amerikanische Unternehmen Cruise LLC wurde 2013 in San Francisco gegründet. Ziel war es, ein zuschaltbares Autopilot-System zu entwickeln, das auf Highways und Autobahnen eingesetzt werden sollte.

Ein Jahr später entschied Cruise, sich dem vollautonomen Fahren zuzuwenden und erhielt 2015 die Lizenz für autonome Testfahrten im US-Bundesstaat Kalifornien. Wenige Monate danach schlug der Autokonzern General Motors zu und kaufte Cruise.

Seitdem stattet das Unternehmen ausschließlich GMs E-Auto Chevy Bolt mit seinen eigenen Antriebsregelungsalgorithmen und Künstlicher Intelligenz für autonomes Fahren aus. Dazu kommen die üblichen Kameras, Radar- und Lidar-Sensoren. Seit 2017 testet Cruise in den Straßen von San Francisco, 2020 durfte dann der Sicherheitsfahrer hinter dem Lenkrad verschwinden.

Im Januar 2020 präsentierte das Unternehmen den Cruise Origin, ein autonom fahrendes Auto der Stufe 4 bis 5. Der Origin ist von Grund auf als selbstfahrendes Taxi konzipiert und ähnelt in Form und Aussehen an Amazons Zoox.

Ein Jahr später stellten Cruise und GM einen neuen strategischen Partner vor: Microsoft investiert in Cruise. Der Spezialist für Cloud Computing könnte mit seiner leistungsstarken Azure-Plattform helfen, die Unmengen an anfallenden Bewegungsdaten zu verarbeiten.

Waymo: Die Weiterentwicklung des Google Cars

2011 vermeldete Google, dass die eigene Robo-Auto-Testflotte 1.600 Kilometer an Strecke zurückgelegt habe – ein Durchbruch im Bereich des autonomen Fahrens. In den folgenden zwei Jahren sollten noch mehrere hunderttausend Kilometer hinzukommen.

Ein autonom fahrendes Auto von Waymo.

Waymo schickt seine autonom fahrenden Taxis in Phoenix, Arizona auf die Straße. | Bild: Waymo

Im Dezember 2016 gründete Googles Mutter-Konzern Alphabet mit Waymo eine eigene Firma, die sich voll auf das „Google Driverless Car“ konzentrieren sollte. Schon ein Jahr später beendete Waymo die Arbeiten an einem eigenen Auto und spezialisierte sich stattdessen auf die Technik.

Waymo stattete in den folgenden Jahren den elektrisch betriebenen Jaguar I-Pace mit seinem autonomen Fahrsystem namens Waymo Driver aus. Seit 2018 betreibt die Alphabet-Tochter den kommerziellen Taxi-Dienst Waymo One im US-Bundesstaat Arizona. Googles autonom fahrende Taxis transportieren dort seit Oktober 2020 Fahrgäste ohne einen Sicherheitsfahrer im Cockpit.

Eine Skizze, die die verschiedenen Sensoren und Kameras des Waymo Driver Systems für autonomes Fahren zeigt.

Mit dem Waymo Driver ausgestattete, autonom fahrende Fahrzeuge verfügen über verschiedene Radar-, Lidar- und Kamerasysteme. | Bild: Waymo

Stattdessen überwacht Waymo die Fahrten aus der Ferne. Auf der CES 2021 wurde der Waymo Driver 5 mit einem Innovation Award ausgezeichnet. Das System besteht aus mehreren Kameras, Lidar-und Radar-Sensoren im Heck- und Frontbereich. Dazu kommt ein 360-Grad-Lidar- und Kamera-System auf dem Dach.

Zoox und Amazon: Autonome Mobilität als Service

Zoox-Gründer Tim Kentley-Klay konzipierte sein Unternehmen für die Robotik-Branche – autonome Autos sind nur ein Ergebnis in diesem Spektrum. Bei Zoox denke man nicht an autonom fahrende Autos im „klassischen“ Sinn.

Kentley-Klay sah das Nachrüsten bestehender Fahrzeugmodelle mit autonomer Technik als nicht zu Ende gedacht an. Traditionelle Autos seien für die menschliche Sicht konzipiert, nicht für die eines Computers. Deshalb baue Zoox keine Windschutzscheiben, Rückspiegel oder Lenkräder in seine Fahrzeuge.

Kentley-Klay ist zwar mittlerweile nicht mehr im Unternehmen, wohl aber seine Philosophie. 2020 kaufte Amazon Zoox für über 1,2 Milliarden US-Dollar. Gemeinsam wolle man Mobilität als Service anbieten und konzipiert Roboter-Autos von Grund auf als selbstfahrende Taxis.

Das autonom fahrende Taxi Zoox.

Das Zoox wurde von Grund auf als autonomes Personenbeförderungsmittel konzipiert. | Bild: Zoox

Das Zoox verfügt über eine Vier-Achsen-Lenkung und ist bidirektional, es gibt also kein vorne und hinten. So werden präzise Manöver in alle Richtungen möglich. Auch Zoox verwendet ein System aus Kameras, Radar- und Lidar-Sensoren, die an den vier oberen Ecken des kastenförmigen Robo-Autos angebracht sind. Die Sichtweite beträgt über 150 Meter in alle Richtungen und eine Akkuladung soll bis zu 16 Stunden halten.

Titelbild: Zoox

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