Apple: Mit iPhone-Daten gegen Depressionen? – Bericht

Apple: Mit iPhone-Daten gegen Depressionen? – Bericht

Smartphones, Wearables und andere Mobilgeräte sind Datensammelmaschinen: Sie liefern Informationen über Kommunikationsgewohnheiten, das Bewegungsverhalten und viele weitere Parameter. Kann Apple daraus über unser Gefühlsleben lernen?

Laut eines Berichts des Wall Street Journal will Apple iPhone-Nutzerdaten für die frühzeitige Diagnose von Depressionen und anderen psychischen Krankheiten verwerten. Die Zeitung bezieht sich auf Informationen aus anonymen Quellen und auf interne Dokumente.

Beispielsweise könne anhand von Smartphone-Tippverhalten eine Veränderung kognitiver Fähigkeiten erkannt werden. Schlafmuster in der Health-App oder die Anzahl an Schritten könnten ebenfalls Indikatoren für gesundheitliche Veränderungen sein.

Weitere Messungen könnten die Analyse des Gesichtsausdrucks sowie der Herz- und Atemfrequenz umfassen. Auch der soziale Kontakt mit anderen Menschen über Nachrichten oder vor Ort könnten Ansatzpunkte für Apples Daten-Diagnose werden. Die Daten sollen direkt auf dem iPhone verarbeitet und nicht an Apple-Server gesendet werden.

Depressionen mit elektronischen Daten diagnostizieren

Für das Diagnoseprojekt arbeitet Apple laut WSJ mit der University of California, Los Angeles und dem Pharma-Unternehmen Biogen zusammen. Das Projekt soll noch in einer frühen Forschungsphase stecken.

Apple und die Projektpartner wollen zunächst einen zuverlässigen Erkennungsalgorithmus entwickeln, der aus den Schlafmustern, den Bewegungsdaten und dem Tippverhalten verlässliche Aussagen über das mentale Wohlbefinden einzelner Personen treffen kann. Dieser Algorithmus wäre dann die Basis für mögliche zukünftige Apple-Anwendungen wie eine iPhone-App.

Mit der UCLA arbeitet Apple offiziell seit 2020 an einer auf drei Jahre ausgelegten Studie unter anderem mit iPhone und Apple Watch, wie sich Bewegung und Schlaf auf Stress, Angst und Depressionen auswirken. Die elektronischen Daten werden mit Ergebnissen aus Fragebögen und mit Cortisol-Messungen abgeglichen.

In einer Pilotphase 2020 wurden Daten von 150 Teilnehmenden erfasst. Derzeit werden die Daten von 3.000 Freiwilligen aufgezeichnet. Die Studie soll 2023 abgeschlossen sein.

Reichen Dr. KI Daten für zuverlässige Diagnosen?

Bei der Daten-Diagnose dürfte Apple mit großer Wahrscheinlichkeit auf Künstliche Intelligenz setzen: KI-Systeme sind prädestiniert dafür, Muster in großen Datenmengen aufzuspüren und auf deren Basis Vorhersagen über mögliche Entwicklungen zu treffen.

Und: Der 2018 von Google zu Apple gewechselte KI-Chef John Giannandrea stellte in Aussicht, dass der lokale Einsatz Künstlicher Intelligenz „iOS komplett transformieren wird“. Eine Diagnose-KI wie oben beschrieben dürfte diesen transformativen Anspruch erfüllen, wenn sie etwa Apple-Nutzer:innen frühzeitig auf eine mögliche negative Entwicklung der mentalen Gesundheit aufmerksam macht und dazu auffordert, sich Hilfe zu suchen.

Experimente mit KI-Diagnosen für psychische Krankheiten existieren bereits zahlreich. MIT-Forscher stellten etwa 2018 eine Forschungsarbeit vor, bei der ein mit klinischen Interviews trainiertes neuronales Netz lernte, mögliche Depressionen anhand geschriebener und gesprochener Sprache einzuschätzen.

In weiteren Projekten versuchten Forschende, Emotionen, Psychosen oder Depressionen mittels KI anhand von Facebook-Posts zu erkennen, anhand des Gangbilds, von Texten oder bestimmter Signalwörter in Live-Videos.

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Quelle: Wall Street Journal