Amazon überwacht Lieferanten mit KI-Kamera

Amazon überwacht Lieferanten mit KI-Kamera

In den USA überwacht Amazon Auslieferungsfahrzeuge und Fahrer mit KI-Technik. Dabei filmt der Konzern auch die Umgebung.

Amazon installiert in den USA KI-automatisierte Überwachungskameras in die eigenen Auslieferungsfahrzeuge. Die Fahrzeuge werden derzeit von einer Handvoll Vertragslieferanten genutzt, um Amazon-Pakete zu Kunden zu transportieren.

KI-Software und Kamera kommen vom 2015 gegründeten Start-up Netradyne aus San Diego. Die Kamera überwacht das Auslieferungsfahrzeug mit vier Kameras: Eine ist auf die Fahrbahn gerichtet, die andere in den Innenraum, zwei beobachten zu den Seiten.

___STEADY_PAYWALL___

Laut Amazon kann die Kamera „gutes Fahrverhalten“ identifizieren, indem sie in Echtzeit den Straßenverkehr beobachtet – vergleichbar mit einem autonomen Vehikel. Basierend auf dieser Beobachtung gibt die Kamera über ein integriertes Soundsystem Warnungen an den Fahrer aus, wenn er ein Stoppschild übersieht, zu dicht auffährt, zu schnell unterwegs oder beim Fahren abgelenkt ist, weil er beispielsweise das Smartphone in der Hand hat.

Amazon spricht von Sicherheit, Fahrer von Big Brother

Insgesamt sind 16 „Sicherheitsszenarien“ hinterlegt, bei denen die KI-Kamera aktiv wird und Videomaterial für Dokumentationszwecke auf eine „sichere Plattform“ hochlädt, die vom Lieferanten und von Amazon einsehbar ist.

Nur die vier oben genannten Szenarien haben eine Audio-Warnung zur Folge. Video-Uploads ohne Audio-Warnung erfolgen beispielsweise bei einer harten Bremsung, starker Beschleunigung oder Müdigkeit.

Die Kamera wird mit der Zündung automatisch aktiv. Fahrer können die auf den Fahrer gerichtete Kamera während ihrer Pausen ausschalten. Die nach außen gerichteten Kameras laufen für 20 Minuten weiter.

Laut Amazon hat nur ausgewähltes Personal Zugriff auf die hochgeladenen Videos. Eine Live-Videoübertragung ist nicht vorgesehen, Audio wird ebenfalls nicht aufgezeichnet. Die Überwachungsvideos dürfen an Behörden herausgegeben werden und als Basis für Personalentscheidungen dienen.

Gegenüber CNBC bezeichnen Amazon-Fahrer die KI-Kamera als „zermürbend“, als Bestrafungssystem und „Big Brother“. Sie befürchten, dass die KI-automatisierte Überwachung den Druck in ihrem ohnehin schon stressigen Job erhöht, bei dem sie jeden Tag hunderte Pakte ausliefern.

Hinzu kommt, dass Amazon neben den eigenen Fahrern und Fahrzeugen auch die Umgebung beobachtet und aufzeichnet. Unklar ist, nach welchen Regeln das geschieht und wie mit den Aufnahmen langfristig verfahren wird.

Über die Risiken und möglichen Chancen von KI-automatisierter Überwachungstechnik sprechen wir im MIXED.de Podcast #180.

Weiterlesen über KI-Überwachung: