Update: 01.01.2020

In einem neuen KI-Rollenspiel übernimmt OpenAIs Text-KI GPT-2 die Rolle des Spielleiters und lässt euch alle Freiheiten. Fantasie erwünscht.

Update:

Mit diesem Erfolg hatte Entwickler Nick Walton nicht gerechnet: Kurz nach der Vorstellung des KI-getriebenen Textadventures „AI Dungeon“ Anfang Dezember musste er die Anwendung abschalten. Die hohe Nachfrage hatte die Server-Kosten in die Höhe getrieben. Die bis zu 65.000 US-Dollar im Monat seien wohl erst der Anfang, so Walton.

Mitte Dezember veröffentlichte Walton dann eine mobile Variante von AI Dungeon und bat um finanzielle Unterstützung bei Patreon. Mittlerweile kommen dort fast 15.000 US-Dollar zusammen.

Nun gibt es wieder eine spielbare Web-Variante von AI Dungeon. Dank ausreichend Cloud-Servern im Hintergrund ist sie stabiler und schneller als die alte Variante. Das Spielprinzip bleibt gleich: Genre auswählen und KI-generierte Abenteuer erleben.

Als Nächstes plant Walton eine Sprachunterstützung für das KI-Textadventure. In einer Hörprobe liest ein KI-Erzähler die KI-generierten Texte vor. Sprechende Charaktere erhalten eigene KI-Stimmen.

Der nächste große Schritt sei dann Multiplayer-Unterstützung, schreibt Walton auf Patreon. Bis zu fünf Spieler sollen gemeinsam KI-Abenteuer erleben dürfen. Eine erste Version werde bereits intern getestet.

Ursprüngliche Meldung vom 8.12.2019

Warum sitzen eigentlich Menschen in einem Raum mit Würfeln, Stift und Papier und fliehen vor Cyber-Orks, retten verfluchte Dörfer, erkunden die Berge des Wahnsinns oder bekämpfen Häresie im Weltall – und das nur in ihrer Fantasie? Längst können solche Abenteuer doch visuell viel aufregender am Monitor erlebt werden.

Wer schon einmal ein Pen-&-Paper-Rollenspiel gespielt hat, kennt die Antwort: Es ist die enorme Gestaltungsfreiheit, die selbst die umfangreichsten Videospiele nicht bieten können. Der menschliche Spielleiter bestimmt, was passiert und reagiert dabei auf jede noch so seltsame Idee der Spieler. Es gibt keine unsichtbaren Wände in der Spielwelt, keine fortlaufende Phrasendrescherei der Nicht-Spieler-Charaktere, keine vorhersehbaren Standardereignisse.

KI als Geschichtenerzähler

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz in Videospielen könnte klassische Videospiele weiterentwickeln: Eine KI als Spielleiter könnte die Spielwelt dynamisch an die Aktionen des Spielers anpassen und immer neue Geschichten erzählen.

Erste Versuche gibt es bereits und zwar auf dem Niveau, auf dem auch die heutigen Videospiele vor Jahrzehnten starteten: Das Text-RPG “GPT Adventure” läuft mit einer halbfertigen Version von OpenAIs Text-KI GPT-2. Im September konnte ich so Säulen essen und der Bedrohung eines bewaffneten Diebes entkommen, indem ich sein Messer ableckte. “AI Dungeon Classic” verfolgt ein ähnliches Konzept, läuft aber mit einer noch älteren Version von GPT-2.

AI Dungeon 2: Maximale Textgenerierung im Auftrag der Fantasie

Verantwortlich für das Projekt AI Dungeon ist der Entwickler Nick Walton, der im Haupfberuf an autonomen Fahrzeugen arbeitet. Er nahm die Veröffentlichung des finalen Modells von GPT-2 als Anlass, um sein Passionsprojekt AI Dungeon 2 zu bauen. Hunderte Stunden steckte er in das Projekt. Laut Walton war es das “komplett wert”.

In AI Dungeon 2 kann der Spieler zu Beginn Spielhintergrund und Charakter auswählen. Wie wäre es mit dem Magier Zoltan in einer Fantasywelt? Wollt ihr lieber ein Pirat sein? Ein rebellischer Truthahn? Oder lieber ein musizierender Goblin?

Dieser Kontext dient GPT-2 als Ausgangspunkt: Die KI erstellt zufällig den Anfang der Geschichte und der Spieler kann eine erste Aktion starten. Die führt zu einer automatisch durch GPT-2 generierten Antwort und das Abenteuer nimmt seinen Lauf. Für den Magier Zoltan könnte der Beginn seiner Reise so aussehen:

Spaß gibts nur mit Fantasie

Die KI generiert ihre Antworten aus der aktuellen Spielereingabe, dem Spielkontext und den bis zu acht letzten Aktionen des Spielers inklusive ihrer Ergebnisse. Trainiert wurde die KI mit Inhalten der Text-Adventure-Website chooseyourstory.

Die Abenteuer im AI Dungeon 2 sind dank OpenAIs finaler GPT-2-Version und der Berücksichtigung des Kontextes glaubwürdiger als bisherige KI-Dungeons. An einen menschlichen Spielleiter reicht die KI-Erzählung dennoch nicht heran: In einem Moment sind die Antworten geradezu poetisch, im nächsten finden sich seltsame Objektbeschreibungen in den Texten oder die Maschine verliert den Überblick über die Protagonisten.

Andererseits ist gerade diese maschinelle Verwirrung eine Herausforderung für den Spieler: Er muss über Ungereimtheiten hinwegsehen und sich seinen eigenen Weg suchen. AI Dungeon 2 ist für alle einen Blick wert, die ein bisschen Fantasie mitbringen – und miterleben wollen, wie sich KI im Jahr 2019 als Spielleiter macht.

Allerdings müssen sich RPG-Begeisterte noch etwas gedulden: Aus Kostengründen ist AI Dungeon 2 aktuell abgeschaltet. Das Projekt ist zu schnell zu berühmt geworden. Bis dahin könnt ihr auf der Webseite von AI Dungeon über die Abenteuer anderer Spieler lesen.

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