Auf Clearview AI folgt Pimeyes: Das polnische Startup bietet eine Web-Suchmaschine, die innerhalb von Sekunden ein Foto gegen die biometrischen Daten von 900 Millionen Gesichtern auf Internetfotos abgleichen kann.

Pimeyes funktioniert wie Googles Bildersuche rückwärts für Personenfotos: Zeigt man der Suchmaschine ein Bild mit Gesicht darauf, kann sie dieses innerhalb von Sekunden mit einer 900 Millionen starken Bilddatenbank abgleichen und Fotos der gleichen Person heraussuchen. Über die Fotos gelangt man auf die Webseiten, auf denen die Bilder hinterlegt sind, und kann so mehr über die Person auf dem Bild herausfinden.

Pimeyes analysiert für den Bildabgleich KI-gestützt Gesichter auf Internetbildern und speichert das Analyseergebnis als biometrische Daten ab. Die Gesichtssuche erfolgt dann über diese biometrischen Daten. Selbst ein fehlender oder neu hinzugekommener Bart soll das Erkennungssystem nicht aus dem Tritt bringen.

Bei einem Bildersuch-Test von Netzpolitik.org mit 94 Screenshots von Politikern am Rednerpult im Bundestag wurden in 93 Fällen Aufnahmen derselben Person auf anderen Webseiten gefunden – selbst dann, wenn das Ausgangsbild beispielsweise nur seitlich fotografiert war.

Das System gleicht der umstrittenen Überwachungs-App Clearview, ist aber für jedermann zugänglich – die Clearview-App wurde und wird vornehmlich von Behörden eingesetzt. Bereits bei der Clearview-Enthüllung der New York Times war abzusehen, dass ähnliche Services von anderen Anbietern leicht nachzubauen wären. Pimeyes ist seit mindestens 2018 am Markt. Über die Clearview-App und ihre möglichen Auswirkungen diskutieren wir im MIXED.de Podcast #187.

Pimeyes positioniert sich als Privatsphäre-Helfer

Pimeyes positioniert sich selbst als Plattform, bei der Nutzer ihr eigenes Bild hochladen sollen, um zu überprüfen, ob und wo Fotos von ihnen im Internet auftauchen.

Geld verdient das Start-up allerdings mit Premium-Angeboten für Vielsucher. Über eine Schnittstelle sollen Tausende Fotos gleichzeitig analysiert werden können – für Privatnutzer, die nur mal ihre eigene Privatsphäre prüfen wollen, ist das nicht interessant. Pimeyes Geschäftsmodell soll sich auf Geschäftskunden fokussieren, berichtet Netzpolitik.

Kritiker befürchten, dass Pimeyes als mächtiges Stalking-Werkzeug missbraucht werden könnte. Ein unbemerkter Schnappschuss einer Person – beispielsweise in der Bahn – könnte ausreichen, um diese Person später über die Pimeyes-Suchmaschine zu identifizieren und zu verfolgen.

Politiker und Social-Media-Konzerne kündigen rechtliche Konsequenzen an

Die Verarbeitung biometrischer Daten zur eindeutigen Identifizierung von Personen ist nach der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) untersagt, weshalb Politiker ein schnelles Verbot der Plattform anstreben.

Pimeyes soll außerdem unerlaubt Bilddaten von YouTube und Instagram analysiert haben, weshalb sowohl Google als auch Facebook rechtliche Schritte eingeleitet haben. Pimeyes bestreitet diesen Vorwurf gegenüber dem Spiegel: Die Suchmaschine verwende keine Bilder von Social-Media-Plattformen, so ein Sprecher des Unternehmens.

Stattdessen würden nur Bilder analysiert, die laut “robots.txt” frei zugänglich seien. Eine robots-Datei sagt Web-Crawlern wie dem von Pimeyes, welche Dateien und Seiten einer Webseite durchsucht werden dürfen und welche gesperrt sind.

Quellen: Netzpolitik, Spiegel; Titelbild: Pimeyes (Screenshot der Startseite)

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